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Full text of "Sextus Julius Africanus und die byzantinische Chronographie"

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8EXTU8 JULIUS AFRICANUS 



UND DIE 



BYZANTINISCHE CHRONOGRAPHIE 



VON 



HEINBICH OELZEB 




LEIPZIG 

J. C. HINRICHS'SCHB BUCHHANDLUNG 

1898 



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I 



WIIMAR. - HOP-aUCHDRUOKERn. 



Inhalt. 

Seite 

I. Die Chronographie des Julius Africanus 1 — 283 

Inhaltsaiigal»e neben Seite 1. 

II. 1. Die Nachfolger des Julius Africanus 1—410 

Inhaltsangabe: Seite YII. Vm, yor Seite 1. 

IL 2. Nachtrage 427—500 

Vorbemerkung 429 

I. Die Syrer: 

1. Das Geschichtswerk Mar Michael des Grossen . . 431 

2. Mar Solomon von Perat-MaitSn 458 

II. Die Armenier: 

3. Stephanos Asoiik Taröneci 466 

4. Samuel von Ani 475 

5. Wardan der Grosse 482 

6. M^thar von Ayriwankh 496 

Register zu Theü I und II. i 411—425 



8EXTU8 JULIUS AFRICANU8 



UND DIE 



BYZANTINISCHE CHRONOGRAPHIE 



VON 



HEINRICH OELZEB 



ZWEITER THEIL 

ZWEITE ABTHEXLXTNQ 

NACHTRÄGE 




LEIPZIG 

J. C. HINBICHS'SCHE BUCHHANDLUNG 

1898 



WEIMAR. - HOP-BUOHDRUOKKRtL 



Vorbemerkung. 



Als Schluss (ü. Theil 2. Abtheilung) meines Buches war 
ursprünglich eine Sammlung der Fragmente des S. Julius 
Africanus geplant. Diese sollen nun aber in der von der 
Berliner Akademie der Wissenschaften seitdem begonnenen 
grossen Ausgabe der altchristlichen griechischen Schriftsteller 
erscheinen; dadurch konmit die ursprünglich in Aussicht ge- 
nommene Bearbeitung in Wegfall. 

Die J. C. Hinrichs^sche Buchhandlung zu Leipzigs die in 
Folge dessen auch den Verlag der früheren Theile von B. G. 
Teubner übernommen hat, sprach den Wunsch aus, ich möchte 
mein Werk anderweitig zu einem gewissen Abschluss bringen. 

Ich konnte darauf gern eingehen, weil ich mir der Unvoll- 
konmienheiten meines ersten Versuches nur zu gut bewusst bin. 
Freilich kann es sich nun nicht darum handeln, all^ die zahl- 
reichen Stellen, wo ich theils durch die Fachgenossen belehrt, 
theils durch eigene Studien weitergeführt, zu neuen und ab- 
weichenden Forschungsresultaten gekommen bin, hier in extenso 
zu behandeln; das würde zu weit fuhren, da einige Abschnitte 
ganz neu zu bearbeiten wären. Im Interesse der Leser schien 
es mir aber dringend geboten, die noch nicht behandelten 
Chronographen, in erster Linie die syrischen Chronisten, zu 
berücksichtigen, es sind dies vor allem Mar Michael, der 



430 Vorbemerkung. 

Patriarch, und dann Mar Solomon, der Metropolit von Perat 
Maisän; dazu die verschiedenen chronographischen Versuche 
der Armenier, die an Eusebios, später an Mar Michael sich 
anlehnen. 

Dieses übergebe ich nun, um einen gewissen Abschluss 
meiner Arbeit zu erreichen, der OeffenÜichkeit. 

Jena, Juli 1898. 

H. Oelzer. 



S 



Die Syrer. 

Das Geschichtswerk Mar Michael des Grossen. 

Nachdem der antiochenisclie Patriarcli vom monopliysiti- 
sclien Bitus Mar Atlianasios am 14. Tamuz (Juli) 1477 der 
Seleucidenära (= 1166) gestorben war, versammelten sich die 
syrischen Bischöfe in Gargar. In üblicher Weise wurden drei 
Kandidaten aufgestellt; das Loos entschied für den Archiman- 
driten Baban Mikäil, den Sohn des Priesters Ella aus der 
Stadt Melitene aus der Familie EindasP). Indessen Michael 
weigerte sich die Wahl anzunehmen, da sie keineswegs einmüthig 
zu Stande gekommen war. Allein als der später eingetroffene 
Maphrian des Ostens und die orientalischen Bischöfe, ebenso 
Briefe der Eremiten und des Bischofs von Jerusalem ihr nach- 
trägliches Einverständniss mit der Wahl erklärten, nahm Michael 
dieselbe an, unter der Bedingung, dass er kräftig gegen die 
bestehende Simonie einschreiten dürfe. Auch hiergegen erhob 
sich Widerspruch; einige Hirten meinten, man dürfe es in 
diesen schweren Zeitläuften nicht zu genau nehmen und solle 
der Schwäche des heutigen Geschlechts einiges nachlassen. 
Aber Mar Dionysios genannt Bar Sllbi gewann durch eine flam- 
mende Bede alle für die von dem neuen kirchlichen Oberhaupte 
geplante Reform, und so wurde denn Mar Michael Dienstag den 
18. Tag des I. Tesrin (Oktober) des Seleucidenjahres 1478 
(= 1166 n. Chr.) Patriarch. Bald nach seiner Thronbesteigung 
machte er eine Visitationsreise und gelangte nach Jerusalem 
und Antiochien, wo ihn die lateinischen Patriarchen Amalrich 
(1158—1180) und Aymerich (1142—1187) sehr ehrenvoll auf- 
nahmen. Besonders in Antiochien war er der Gegenstand 
grosser Ovationen. Aymerich wollte damit die ihm ungleich 
verhassteren Griechen ärgern. Das ausserordentlich gute Yer- 

^) Gfr. Gregorii Barhebraei chronicon ecclesiasticaixi edd. J. B. Abbe- 
loos et T. J. Lamy. Loewen 1872 I 535 £ 



432 I^ Geschichtswerk Mar Michaäl des Grossen. 

hältniss, in welchem Armenier und Syrer im Ganzen zu den 
Franken standen, findet seinen Ausdruck, wie in den armeni- 
schen Chroniken, so auch in dem Geschiclitswerk des Mar 
Michael; mit Liebe und Hochachtung, ja mit Bewunderung 
erzählt er die gesta Dei per Francos. Den von Kaiser Manuel 
mit den Armeniern und Syrern inszenierten Unionsversuchen 
suchte er in der Hauptsache durch Schlauheit auszuweichen; 
der Bericht, dass sein Legat Theodoros Bar Uhebün als ge- 
wandter aristotelischer Dialektiker in Gegenwart des armeni- 
schen Eatholikos den Griechen Theorianos vollkommen ge- 
schlagen habe, klingt freiligh etwas verdächtig. Auch Eilidsch- 
Arslan, der Sultan von Eüm (Ikonium) hielt den Patriarchen 
hoch in Ehren; um so mehr Kummer verursachten ihm die 
Unbotmässigkeit , die Intriguen und die Sittenlosigkeit des 
eignen hohen Klerus, nicht am wenigsten seines ]!Teffen Josue, 
der auf seine IJTachfolgerschaft spekulierte. Michael starb 
73 jährig am 7ten Tage des II. Tesrin (November) 15tl d. Sei. 

(= 1199 n.Chr.). 

Mar Michael ist einer der letzten grossen Schriftsteller 
seiner Nation: „Tag und Nacht war er eifrig im Schreiben 
und hinterliess der Kirche Gottes bewundernswürdige Bücher.'' 
Eine Aufzählung seiner Werke findet man bei Abbeloos und 
Lamy a. a. 0. 605 N. 1. 

Für uns kommt lediglich seine Chronik in Betracht. Das 
syrische Original ist vorhanden, aber leider unzugänglich. Denn 
der Besitzer, ein chaldäischer Bischof, welcher es nach Rom 
mitgebracht, hat es wieder in seine Heimat zurückgeschleppt. 
Yon einem Venetianer Mechitaristen, der den Besitzer persön- 
lich kennt, ist mir versichert worden, derselbe sei ein gelehrter 
Mann und habe selbst die Absicht, die Chronik herauszugeben. 
Natürlich bin ich nicht im Stande diese Angabe zu kontrol- 
lieren. Eine die armenische Version an Yorzüglichkeit weit 
übertreffende arabische Uebersetzung besitzt das Brittische 
Museum seit 1891. ZDMG. 1897 S. 570. Auch sie ist noch 
unveröffentlicht. Vorläufig sind wir daher auf die armenischen 
Uebersetzungen oder richtiger Bearbeitungen dieser Chronik 
angewiesen, die uns durchaus kein absolut treues Bild der- 
selben geben. Denn die Bearbeiter haben die Chronik gekürzt 
oder Zusätze gemacht, letztere namentlich betreffs der armeni- 



Das Geschichtswerk Mar Michael des Grossen. 433 

sehen Geschiclite. Wir besitzen zwei Bearbeitungen, eine 
längere und eine kürzere. Erstere hat Viktor Langlois nach 
zwei Handschriften der Bibliothek von S. Lazzaro in Venedig 
und einer der Biblioth^que nationale von Paris in französischer 
Uebersetzung herausgegeben ^). Eine zweite, meistenteils ver- 
kürzende, teilweise aber auch wieder ausführlichere Bearbeitung 
bietet die t871 zu Jeru£(alem erschienene armenische Ausgabe 
von „Ter Michael des syrischen Patriarchen Chronographie von 
Adam bis auf uns.'' Nach einem Memento des Schreibers am 
Schlüsse der Handschrift (S. 526 der Ausg.) ist dieselbe ge- 
schrieben im J. 722 der Armenier (1273). Indessen diese 
Handschrift stammt aus einer 27 Jahre älteren Vorlage, wie 
eine Bemerkung auf S. 507 zeigt Michael hat nämlich seine 
Chronik nur bis zum Jahre 1196 geführt Die chronikartige 
Erzählung geht ziemlich übereinstimmend bis S. 503 der Ausg. 
Y. Jerus., S. 359 bei Langlois. Dann folgt eine Fortsetzung 
oder, wie Langlois (S. 13) mit Recht bemerkt, mehr eine Art 
peroratio, keine eigentliche Geschichte, sondern eine enkomia- 
stische Charakterisirung der kilikischen Fürsten bis zur Ver- 
mählung König Hethums mit Sapel (Isabelle) 1226. Im ein- 
zelnen weichen die beiden Redaktionen stark von einander ab: 
S. 503—507 der Ausgabe von Jerusalem, S. 359 — 361 bei 
Langlois. Zum Schlüsse hat die Ausgabe Ton Jerusalem die 
Bemerkung: 'Und jetzt ist das Jahr 695 (:=== 1246) der Aera der 
Armenier.' Also in diesem Jahre vollendete der Priester Isdh 
seine Uebersetzung. Offenbar fanden die Spätem den Anhang 
an Michaels Geschichte recht ungenügend^); denn die zweite 
Fortsetzung, welche die Geschichte bis 678 (1229) fortfahrt, 
greift wieder zum J. 665 (1216) zurück, um von da aus die 
einzelnen Ereignisse annalistisch und viel exakter als die in 
allgemeinen Redensarten sich verlierende enkomiastische erste 
Fortsetzung zu berichten. 



^) Chroniques de Michel le Grand patriarche des Syriens Jacobites 
traduite pour la premi^re fois sur la version du prStre Ischdk par V. Langlois. 
Venise 1868. 

') S. 507, Nr. 2 wird übrigens in der Ausgabe von Jerusalem die Be- 
merkung gemacht, dass eine zweite Handschrift der Uebersetzung mit der 
Schlussbemerkung Isöhs ende, also ähnlich wie die Manuskripte der Aus- 
gabe von Venedig. 



434 ^08 Qeschichtswerk Mar Michael des Grossen. 

Die beiden üebersetzungen der Chronik Michaels müssen 
richtiger als Bearbeitungen bezeichnet werden, da die oft starken 
Abweichungen zeigen, wie frei dieselben mit der Anordnung 
des Stoffes geschaltet haben. 

Um dies deutlich zu machen, gebe ich in Parallelkolumnen 
den Abschnitt vom Tode Adams bis zum Fall der Söhne Seths. 
Die erste Kolumne enthält Langlois' Uebersetzung. Damit 
der Leser sich ein Urtheil über deren Zuverlässigkeit bilden 
kann, hat P. J. Thorossian von den Mechitaristen von Venedig 
auf meine Bitte hin das betreffende Stück mir in sorgföltiger Ab- 
schrift mitgetheilt. Danach ist die Uebersetzung der 11. Kolumne 
angefertigt. Man wird sehen, dass Langlois' Uebersetzung — 
P. Sukias Baron hat sie revidirt — oft etwas frei und paraphra- 
sirend, aber im Ganzen durchaus richtig ist. In den vielen 
Zahlenabweichungen liegt der Fehler meist auf Seiten der 
Handschrift, deren Versehen zu korrigiren hier nicht meine 
Sache war. Grössere Versehen, wie bei der Angabe von 
Adams Gesammtlebenszeit die Auslassung der Notiz, dass 
neben den Griechen auch die Syrer für die Zahl 970 zeugen, 
sind selten. Fataler ist, dass die Eigennamen willkürlich und 
oft falsch transkribirt sind. So heisst in dem Methodiosfrag- 
ment die Schwester Kayens Klima oder Klimia, nicht Guilima 
und die Abels Abeluhi (Beluda) nicht Abela. Die Abwei- 
chungen gegenüber dem Text von Jerusalem sind dagegen sehr 
stark; oft sind grössere Stücke an eine andere Stelle gesetzt. 
Hier ist bald die eine, bald die andere Becension zuverlässiger. 
Im Ganzen scheint die von Jerusalem besser zu sein. 



Das Geschieh ts werk Mar Michael des Grossen. 435 



Langlois Codex Yenetos Ausgabe 

s.2iff. S. Lazari Nr. 1153. von Jerusalem p. 4 ff. 

Adam dtait donc mort 60 (Adam) starb 60 Jahre vor Und er (Adam) starb 60 

ans avant la naissance der Geburt EnQkhs. Jahre vor der Gebart 

d*Enoch. EnQkhs. 

Gependantilyauneerreur Ein starker Irrtmn steckt Ein Irrtum ist darin und 

tres-grave dans ces cal- darin. sie verstehen es nicht, 
culs: 

d'aprbs la version d*Abgar, Aber nach Abgar, welchen Aber nach den Syrern hat 

usit^e chez les Syriens, die Syrer benutzen, hat Adam, 130 J. alt, den 

Adam, alors äg^ de 230 Adam, 230 Jahre alt, den Seth gezeugt und lebte 

ans, engendra Seth et Seth gezeugt und lebte noch 800 Jahre, 

y^ut encore 700 ans; noch 500 Jahre. 

donc la dur^e totale de In Wahrheit ist seine In Wirklichkeit sind es 

sa vie a 6t6 de 930 ans. Lebenszeit 930 J. 930 J. 

Anianus cite un passage du Enanos entnimmt dem Enanos der Mönch ent- 

livre d*Enoch qui dit que Buche EnQkh,dass Adam nimmt aus dem Buche 

70 ans aprbs qa*Adam 70 Jahre nach seiner Enükh das Zeugnis, 

fut sorti du Paradis Ter- Vertreibung aus dem dass Adam 70 Jahre nach 

restre il connut Eve et Paradiese Eva erkannte seiner Vertreibung aus 

engendra Galn und den Eayen zeugte. dem Paradiese Eva er- 
kannte und den Eayen 
zeugte. 

et que 7 ans plus tard il Und 7 Jahre später zeugte Und nach 7 Jahren zeugte 

engendra Abel. er den Habel. er den Abel. 

Ge demier k Tage de 53 Und 53 Jahre nach der Und 53 Jahre nach der 

ans fut tu^ par Gatn, Geburt Abels tötete ihn Geburt Abels tötete ihn 

Eayen. Eayen 

et ses parents le pleurbrent Und es beklagten ihn seine und es beklagten den Abel 

durant Tespace de 100 Eltern . . Adam und Eva 100 Jahr, 
ans. 

Ensuite Adam engendra Dann zeugte er den «Seth, Darauf zeugte er den Seth, 

Seth, TenÜEuit de la con- den Sohn des Trostes. den Sohn des Trostes, 
solation. 

Madidime de Patara ajoute Mathidimos von Patara Madidios von Patria (Pa- 

qu*Adam 30 ans apr^ (Pataragi) sagt: 30 Jahre triagi) sagt, dass 30 Jahre 

sa sortie du Paradis nach dem Verlassen des nach dem Verlassen des 

Terrestre engendra Gain Paradieses erzeugte Gartens er denEayen und 

avec Guilima sa soeur; Adam den Eayen und Elimia seine Schwester 

Elimay, seine Schwester zeugte 

qu*apr^ un pareil laps de und 30 Jahre später zeugte und nach 30 Jahren zeugte 

temps il engendra Abel er den Abel und AbSluhi er den Abel und Beluda 

avec Ab^ sa soeur; seine Schwester, seine Schwester, 



436 



Das Geschichtswerk Mar Michael des Grossen. 



S. 21 ff. 

qa*Abel fut tud 130 ans 

aprbs, 
et qu*enfin Adam engendra 

Seth dans la 230« annde 

de sa vie. 
Ceci ezplique la concor- 

dance chronologique des 

r^cits. 



Codex Yenetos Ansgabe 

8. Lazari Nr. 1153. von Jerusalem p. 4 ff. 

und nach 130 J. wurde und nach 130 J. wurde 

Habel getötet; Abgl getötet; 

und 230 J. alt zeugte Adam Und im 290. J. Adams 

den Seth. zeugte er den Seth. 



Seth %g4 de 205 ans en- 
gendra Enos; tandisque 
ce fat k Tage de 150 
ans, selon les Syriens, 
quHl lui aurait donnd 
naissance. 

Selon les Grecs la durde 
totale de sa vie aurait 
4t6 de 970 ans. 

Enos, §.g^ de 190 ans, en- 
gendra GaYnan selon 
TAfricain; mais d'apres 
les Syriens il lui aurait 
donn^ naissance a Tage 
de 150 ans. 



So wirst du die Wider- 
sprüche der Aussagen 
betreff der Zeiten kennen 
lernen. 



Seth 205 J. alt zeugte den 
Enüs, aber nach den 
Syrern 150 J. alt. 



Alle Tage seiner Lebenszeit 
sind 970 J. nach den Grie- 
chen und den Syrern. 

Enüs 106 J. alt zeugte den 
Kaynan nach Aphri- 
kanos; aber nach den 
Syrern 150 J. alt. 



So wirst du die Wider- 
spruche der Geschicht- 
schreiber kennen lernen. 

Von Adam bis auf Ared, 
das sechste Geschlecht, 
werden 930 Jahre ge- 
zahlt Zu jenen Zeiten 
gab es keinen König, 
weil Adam, geschaffen 
durch Gottes Hand, zum 
Schrecken und zur MaJi- 
nung der Ordnung ihnen 
genügte. 

Und nach seinem Tode 
herrschte Seth 178 J. 

In den Zeiten Seths ge- 
dachten seine Söhne des 
Lebens im Paradies. Sie 
entsagten der Heirat und 
gingen nach dem Berge 
Ahermon. Sie lebten in 
Enthaltsamkeit und 
wurden deshalb Söhne 
Gottes und Engel ge- 
nannt. 

Seth nach den LXX 205 J. 
alt zeugte den En5s, und 
nach den Syrern 150 J. 
aJt. 



Die Tage seines Lebens 
sind 970 J. nach den 
Griechen und Syrern. 

Enüs zeugte nach Aphri- 
kanos und Enanos einen 
Sohn im 190. J.; aber 
nach den Syrern 90 J. 
alt. 



Das Geschichtswerk Mar Michael des Grossen. 437 

Langlois Codex Yenetns Ausgabe 

s. 21 ff. S. Lazari Nr. 1153. von Jerusalem p. 4 ff. 

Dieser lehrte den Namen 
des Herrn Gottes anzu- 
rufen 

Enos en temoignage de Dieser Enüs, von Natur und ermahnte die Men- 

son respect pour la loi Ehrfurcht vor dem Ge- sehen zu guten Werken, 

naturelle pratiqua la setz empfindend, begann 

vertu et Tenseigna k ses gute Werke zu thun und 

enfants. seine Söhne sie zu lehren. 

II invoqua avec confiance Und in Hoffnung rief er 

le nom du Seigneur an den Namen des Herrn 

Dieu pour qu*il secon- Gottes zur Unterstützung 

dät ses bonnes inten- seiner guten Gedanken, 
tions. 

Ses enfants et ses fir^res Durch ihn belehrt, gedach- 

instruits par lui, ayant ten seine Söhne und 

garde le souvenir de la Brüder des Lebens im 

vie d'Eden, et renon9ant Paradies und entsagten 

au mariage au nombre der Heirat, 200 Seelen, 

de 200, se retir^rent sur und gingen auf den 

le mont Hermon Berg Ahermon. 

oü ils v^curent dans Tab- Sie lebten in Enthaltsam- 

stinence, en pratiquant keit, sich himmlischer 

les vertus ehestes; c*est Tugend widmend. Des- 

pour cette raison qu'ils halb werden sie Söhne 

s'appell^rent les £n£Euits Gottes genannt, 
de Dieu. 

Enos v^cut en tont 930 ans Die Lebenszeit Enüs' waren Seine Jahre waren 905. 

et mourut. 905 J. und er starb. 

Cainan,ägd de 170 ans Selon Eaynanl70J. alt zeugte Eayenan, 170 J. alt, zeugte 

les LXX, engendra Mala- den Maialiel, nach den einen Sohn nach den 

leel ; selon les Syriens LXX und nach den Sy- LXX, nach den Syrern 

il ne Teut qu'k 70 ans. rem 70 J. alt. 70 J. alt. 

La durde de toute sa vie Sein ganzes Leben waren Seine sämmtlichen Jahre 

fut de 850 ans. 850 Jahre. sind 850. 

Malaleel ägä de 165 ans Mal:atiel 167 J. alt zeugte Maiatiel 165 J. alt zeugte 

engendra Jared; au dire den Areth, und nach einen Sohn nach den 

des Syriens, il ne Teut den Syrern 65 J. alt. LXX und nach den Sy- 

qu'k 67 ans, rem 65 J. alt. 

et mourut aprbs avoir 895 Jahre alt starb er. Seine sämmtlichen Jahre 

väcu 897 ans. sind 897. 

Jared äge, selon les LXX, Yareth 162 J. alt zeugte Ared 162 J. alt zeugte 

de 162 ans , engendra den Enökh nach den nach den LXX und den 



438 



Das Geschichtswerk Mar Michael des Grossen. 



Langlois 

S. 21 ff. 

Enoch, tandis que selon 
les Syriens il n*avait qne 
62 ans. 
Tonte la duräe de sa vie 
fht de 962 ans jnsqu* a 
la 600« annde de Noä. 

Sa 40« annäe correspond 
k Tan 1000 depnis la 
sortie d'Adam dn Para- 
dis Terrestre. 

Dans cette Periode de 
temps, il n*y avait point 
de rois parce qu* Adam, 
Premier honmie, dirigea 
rhumanitä jnsqu* k la 
135« ann^e de Malaläel, 
et moumt 30 ans avant 
la naissance de Jared. 

Seth avec sa descendance 
ne se mela point avec 
la race de Cain d'apr^s 
Tordre que le seignenr 
Ini avait donnä. 



Codex Yenetns 
8. Lazari Nr. 1153. 

LXX nnd nach den Sy- 
rern 62 J. alt. 

Sein ganzes Leben waren 
962 Jahre bis zum 1000. 
(Schreibfehler f. 600.) 
J. Noy's. 

In seinem 40. Jahre wurden 
vollendet 1000 J. seit 
dem Auszug Adams. 

Zu dieser Zeit gab es kei- 
nen König, weil Adam, 
der Protoplast, sie ge- 
nügend in Zucht hielt 
bis zum 135. J. Mal:aliels 
und starb 100 J. vor der 
Geburt Yareth's. 

Seth und seine Söhne 
hatten einen Befehl vom 
Herrn empfangen, sich 
nicht mit dem Ge- 
schlechte Eayens zu ver- 
mischen. 



Ausgabe 
von Jerusalem p. 4 ff. 

Syrern einen Sohn, und 
nach den Samaritanem 
62 J. alt. 
Seine ganze Lebenszeit 
sind 962 J. bis zum 
600 J. Noy's. 

In dem 40. J. Areds wurden 
vollendet tausend Jahre. 



Mille ans aprbs, les de- 
scendants de Ga'in se 
donnbrent un roi, nommä 
Samiros. 

Vers ce temps-lk, les en- 
fants de Seth, qui habi- 
taient sur le mont Her- 
mon, fatigpu^s de Texi- 
stence ang^ique qu'ils 
menaient, quitt^rent 
leurs demeures 



Nach Vollendung des Jah- 
res 1000 setzten die Söhne 
Eayen*s sich einen König 
Namens Samiros. Um 
diese Zeit sind die 
Söhne Seths, welche auf 
dem Berge Ahermon 
lebten, weil sie sich 
langweilten, von jenem 
Berge und dem gott- 
seligen Wandel hinabge- 
stiegen 



In diesem Jahre langweil- 
ten sich die Söhne Seths 
und stiegen herab vom 
Berge Ahermon und ver- 
fielen in Begierde nach 
Weibern und waren 200 
an Zahl. 

Um dieselbe Zeit setzten 
sie sich einen König Na- 
mens Samarios. 



Das Geachichtswerk Har MichaSl des Grossen. 



439 



Langlois Codex Yenetas Aasgabe 

s. 21 ff. 8. Lazari Nr. ii5d. von Jernsalem p. 4 ff. 

h, ce que raconte Anianus wie Enanos erzählt nach Und darüber erzählt Ena- 
qoi emprunta ce recit jenem Buche EnQkhs. nos, 

au livre d'Enoch. 

dass als die Söhne Seths 
vom Berge und vom 
engelgleichen Wandel 
herabstiegen, 



Leurs fr^res s'indignbrent 
contre eux, les chas- 
sbrent, et ne voulurent 
point leur permettre de 
choisir de femmes parmi 
eux. 

Alors les enfants de Seth 
yinrent se m§ler avec la 
race de Cain et prirent 
des femmes k leur choix. 



Ihre Brüder ergrimmten ihre Brüder ergrimmten 

über sie, vertrieben sie und ihnen keine Frauen 

und gaben ihnen keine gaben. 
Frauen. 



Diese gingen hin, misch- 
ten sich mit dem Ge- 
schlecht Eayens und 
nahmen sich Frauen, ein 
jeder, welche ihnen be- 
liebten. 



Und diese gingen hin, 
nahmen von den Töch- 
tern Kayens, welche 
ihnen beliebten. 



Und sie gebaren von ihnen 
stolze Riesen, Uebel- 
thäter und Mörder. 

Bis auf diese Zeit bestand 
die Furcht Gottes und 
Frieden, und seitdem 
wurden sie vernichtet. 



C'est depuis ce moment 
que le mal commen^a 
k augmenter et k se r^ 
pandre sur la terre: 

la Prostitution, la violence, 
sources de guerres et de 
meurtres. 

En m^me temps, les en- 
fants de Seth qui habi- 
taient le troisi^me dimat 
formant une partie de 
la terre, fond^rent aussi 
un ^tat monarchique et 
appell^rent au tröne un 
certain Alorus. 



Von da an begann die 
Häufigkeit der Übel auf 
der Erde: 

Hurerei, Gewaltthat und 
in Folge dessen Kriege 
und Morde. 

Zu derselben Zeit setzten 
die Söhne Seths, welche 
im dritten Elim — das 
ist Theil der Erde — 
lebten, über sich einen 
König Namens Al:oros. 



Es er&sste sie Aufruhr, 
Krieg, Mord. 

Und es hörten dies die 
Söhne Seths, welche im 
dritten Elim — das ist 
Theil — wohnten, und 
bestellten auch für sich 
einen König im Lande 
derChaldäer, den Moros. 



440 ^^ Geschichtswerk Mar Michael des Grossen. 

Das wichtige Eingangswort über die Quellen stimmt in 
J. ^) ganz mit Y. überein. Wir wenden uns daher gleich zur 
Geschichtserzählung. 

Betrachten wir zunächst seine yorfluthige Chronologie. 
Natürlich baut er diese auf den den LXX entlehnten Zahlen 
der Chronographen auf, vergisst aber nicht regelmässig daneben 
die Zahlen seiner nationalen IJebersetzung anzumerken ; das ist 
fragelos eigne Zuthat, der er aber keinen Einfluss auf seine 
Darstellung gewährt. 

Die Zahlen der vorfluthigen Patriarchen sind folgende: 



Adam 


230 Jahre 


Seth 


205 „ 


Ed5s 


190 „ 


Kaynan 
^ataliel 


170 „ 
165 „ 


Ared 


162 „ 


Enökh 


165 „ 


Mathusala 


187 „ 


Lamekh 


188 „ 


Noy 


600 „ 



2262 Jahre. 

Michael hat also hier die Summe des Aphricanus. Aber er 
fugt Zahlen und Summen ein, welche den andern Systemen 
folgenden, von ihm excerpirten Quellen entstammen, ohne sich 
über den Widerspruch klar zu werden. So giebt er als Ge- 
sammtsumme bei Noy's Geburt 1666 Jahre an (V. S. 25, J. S. 9) 
während seine Einzelposten 1662 Jahre ergeben. 

Besonders stark hat er für diese ganze Epoche den Annianos 
benutzt. 

Nach Annianos, als dessen Quelle irrthümlich das Henoch- 
buch (statt der Mikrogenesis) angeführt wird^), giebt er 
(V. S. 21, J. S. 4) die Angaben über die Geburt und den Tod 
von Kayen und Abel und über die Geburt Seths. Aphricanus 
wird als Zeuge für die Geburt Eaynans im 190 J. Enos' ange- 



^) Ich bezeichne mit J. die Ausgabe von Jerusalem, mit V. die von 
Venedig. 

') Barhebraeus chron. Syr. S. 3 hat dasselbe falsche Citat aus Michael 
Übernommen. 



Das Geschichtswerk Mar Michael des Grossen. 44 t 

führt (Y. 21); allein die Ausgabe von Jerusalem S. 5 hat Aphri- 
kanos und Annianos. Also verdankt er das Afrioanuscitat 
diesem letztern. üeber den Fall der Egregoren citirt er wieder 
den Annianos (Y. S. 23, J. 8. 6); dass dieser seine Bemer- 
kung dem Henochbuche entlehnt habe, hat nur die Venetianer- 
ausgäbe. Daran anknüpfend giebt der Chronist die Reihe der 
Yorfluthigen Ghaldäerfürsten, welche nach dem System des 
Panodoros und des Annianos zu Nachkommen Seths gemacht 
werden und bis zur Fluth regieren. Die Reduktion der un- 
geheuem Summen ist die der ägyptischen Mönche. Vgl. meine 
Ausführungen : Die vorfluthigen Ghaldäerfürsten des Annianos. 
Byz. Ztschr.m S. 391 ff. Michael folgt hier so blindlings dem 
Annianos, dass er ohne weiteres ihren Ausgang in das Fluth- 
jahr 2242 fallen lässt (Y. 8. 24, J. S. 8), was seiner eignen 
Rechnung gar nicht entspricht. Eusebios und Annianos setzen 
Lamekhs Geburt in Mathusrfa's 165. (L 167.) Jahr. (Y. S. 25, 
J. S. 9). Wiederum wird Annianos citirt bei der Schilderung 
des Yerderbens, welches die Fluth herbeiführte (Y. S. 25, 
J. S. 10). Wie man sieht, ist dieser Schriftsteller aufs aller- 
ausgiebigste benutzt und offenbar für diesen ganzen Abschnitt 
Hauptquelle. 

Auf ihn mag yielleicht auch das Josephoscitat zurück- 
gehen, wonach die Arche in Apameia in Pisidien landet. Pano- 
doros citirt öfter den Pseudoiosephos. Aphricanus II 1 S. 278. 
Die Identiäcirung des Archenberges mit dem Masis ist natür- 
lich Zuthat des tumenisohen Uebersetzers. Ob er dem Annianos 
auch das Pseudo-Methodiosoitat über die Protoplasten und die 
Schwestern und Frauen Eayens und Abels verdanke, wage ich 
nicht zu entscheiden ^); Synkellos wenigstens giebt hier keinen 
Anhalt. 

Aehnliche Widersprüche bieten die nachfluthigen Patriarchen 
bis Abraham. Die Liste enthält mehrfache Abweichungen von 
den üblichen Zahlen, die aber nur theilweise auf Yerschrei- 
bungen zurückzugehen scheinen: 



^) Jedenfalls ist zu beachten, dass die Schatzhöhle, übersetzt von 
C. Bezold S. 8, die Geschwisterpaare umgekehrt vertheilt. 



442 ^^^ Geschichtswerk Mar Michael des Grossen. 

Yen* Ausg. Jeras. Aiisgr. 



Sem 




130 


130 


(davon sind zu 


verrechnen) 


30 


30 


Arphakhsad 




135 


135 


Kaynan 




130 


139 


Sala 







130 


Eber 




134 


133 


Phaiek 


« 


133 


130 


Ragan 




182») 


132 


Serukh 




130 


130 


Nakhör 




79 


79 


Thara 


Summa 


70 
11&3 


70 




1108 



Dazu kommen nun eine Reihe Zeitangaben, die sich fast 
alle nur in der Ausgabe von Jerusalem vorfinden: 

S. 10: Im 98. Jahre Sems war die Fluth. 

8. 13: Im 120. Jahre Phateks warde die Erde getheilt 
wegen der Vermehrung der Völker. 

S. 15: Yon der Fluth bis zur Sprachentheilung sind nach 
den LXX und ebenso nach den Syrern 660 J. verflossen. 

S. 21 (= V. S. 36) : Der Gesohichtschreiber Andronikos 
sagt, dass von der Fluth bis auf Abraham 1081 J. sind; und 
seit Adam 3035 und seit der Theilung der Erde bis auf Abra- 
ham 421. Yon da an stimmt die Rechnung der Griechen und 
der Syrer. 

Andronikos' Summe von Adam bis Abraham ist zweifellos 
verschrieben. Dagegen die andren Zahlen stimmen mit der 
Summe S. 16. 1081 J. von der Fluth bis Abraham sind 
660+421, die sich in folgender Weise ergeben. 

Arphaksad wird devriqov ecovg fi&ta rov naraiilvafiov ge- 
boren (Oen. XI, 10). Das erste Jahr gehört demnach noch 
Sem: 



^) Langlois 8.33 giebt 162 J., macht aber die Note: 182 ans, 3 ms. 
Er hat Überhaupt nur drei Manuskripte, also beruht sein Text auf Kon- 
jektur. 



Das Geschichtswerk Mar Michael des Grossen. 443 



Sem 


1 Jahr 


Arphsksad 


135 „ 


Kaynsn 


130 „ 


Sala 


130 „ 


Eber 


134 „ 


Phalek 


130 „ 




660 Jahr 


Ragau 


132 Jahr 


Serukh 


130 „ 


Nakhör 


79 „ 


Thara 


70 „ 



421 Jahr 

Freilich stimmt diese Beehnung nicht mit der Angabe, die 
Völkertheilung falle in Phaleks 120. J. Es ist wohl das 130. 
gemeint. In die Erzählung der Erdevertheilung ist ein Ab- 
schnitt aus Pseudomethodros verflochten (J. S. 11, vgl. V. S. 26, 
27, 28): „Man berichtet, dass Noy nach der Pluth einen Sohn 
Namens Mantinos (v. 1. Manitos) hatte, welcher sein Gebiet jen- 
seits des Meeres sich wählte. Er erbat von seinem Vater (etwas) 
von den Gebeinen Adams und er gab ihm zum Andenken die 
Kniescheiben. Dieser erhöhte die Sternweisheit." Die Angaben 
über seine Nachkommen, die Madianiter, und seine Schwester 
Aster (Astlik) fehlen im Texte von Jerusalem. 

Ein nationalsyrisches Stück — in dieser Fassung wohl 
Michaels eignes Werk — ist die Bemerkung über die Ursprache. 
Der Text der Jerusalemer Ausgabe S. 13 weicht hier mehrfach 
von demLanglois' ab: „Eber, ein alter und gottesfürchtiger Mann, 
vereinigte sich nicht mit ihnen. Man erzählt, dass die ursprüng- 
liche Sprache Adams sich bei ihm erhielt. Er nannte dieses Land 
Babelon, welches nach der chaldäischen d. h. syrischen Sprache 
Zerstörung bedeutet. Der hl. Jakob, der hl. Ephrem, der hl. 
Basileios (Vasil) und Gregor von Nyssa bezeugen dies, dass die 
Sprache Adams sich bei Eber erhalten hat. Der hl. Yaköb von 
Edessa und Yohannes von Ithra und andre sagen, dies ist die 
Sprache Adams, welche bei Eber sich erhielt, welche jetzt die 
Juden haben und nicht die Ghaldäer, deren (Sprache) die 
Syrer haben. 

Oelzer, Jul. Afric. n. ^ 



444 ^^ Geschichtswerk Mar Michael des Grossen. 

Aber ich wundre mich, wie dies ihnen verborgen blieb, 
wie der Anfang des Volkes Israyel Yaköb ist, und als sie das 
Meer überschritten, damals wurden sie Hebräer genannt, und 
nicht wegen Ebers , denn „Hebräisch" wird verdolmetscht 
^Hinübergehend'. Beim Ueberschreiten des Meeres nahmen 
sie ihre neue Sprache an wie eine andre Gabe, nach dem 
Psalmisten, der da sagt: „bei dem Auszuge aus dem Lande 
Aegypten, da er (Joseph) eine Sprache hörte, die er nicht 
kannte." (Psalm 80, 6.) Die erste Sprache ist die chaldäische, 
woher die Israeliten sind, und sie behielten die alte, bis sie die 
neue annahmen ; da wurde die alte von ihnen genommen, und 
sie haben keine andre als diese." 

Annianos wird in diesem Abschnitte weniger häufig als 
in dem vorfluthigen citirt. Der fehlerhafte Text (V. S. 29) mit 
dem Citat ist J. S. 1 2 richtig gestellt : „Eaynan 1 39 Jahre alt 
zeugte den Sala. Sala 130 Jahre alt zeugte den Eber und 
lebte 460 Jahre, und nach den Syrern zeugte er (ihn) 30 Jahre alt, 
und lebte 433 Jahre und starb. Eber 133 Jahre alt zeugte den 
Phaiek und dann den Jektan (Ektan) nach Enanos dem Chrono- 
graphen, aber nach den Syrern im Alter von 34 Jahren." In- 
dessen ist er auch sonst benutzt, so (Y. S. 29, J. S. 12) bei der 
Betonung, dass der Evangelist Lukas den Eaynan kenne. Das 
ist die bekannte annianische Bemerkung. Der Zusatz über 
Nebröths Tötung durch Hayk (V. S. 30) fehlt in der der Aus- 
gabe von Jerusalem zu Grunde gelegten Handschrift; mög- 
licherweise ist er erst von einem späteren Bearbeiter nach- 
träglich zugefügt worden. 

Ein ganz eigenthümliches Stück ist die babylonische 
Eönigsreihe von fTebroth bis Belos und bis zu dem Anfange der 
assyrischen Eönige. Die gleichfalls werthlose Liste der baby- 
lonischen ürkönige bei Panodoros - Annianos hat mit dieser 
syrischen nichts zu thun; sie verdankt ihren Ursprung wohl 
der Nationaleitelkeit der Syrer, welche in den chaldäischen 
Fürsten die Ahnherren ihres Volkes sahen. Die Chronologie 
der Fürsten ist freilich in beiden Becensionen, die stark von 
einander abweichen, so voll Verschreibungen , dass ich eine 
Herstellung nicht wage: 



Das Geschichtswerk Mar Michael des Grossen. 445 

Ausgabe Ton Yenedig« Ausgabe yon Jerusalem. 

Nebröth 
69 Jahre 
Im 40. Jahre Bagaus beginnt 
Nebröth 8 Herrschaft und im 
110. fallt der Thurm um, der 
Nebröth begräbt. 
Eambiuros 
85 Jahre. 
Beginn in Serukhs 6, Jahr. Beginn in Serukhs 56. Jahr. 

erbaut Sos (Susa) 

Kampf mit dem Volke der Ealat 
(Galater) im 70. Jahr Serukhs 
(V. unter Samiros). 
Samiros 
. 72 Jahre. 
Beginn im 190. J. Serukhs. Beginn im 106. J. Serukhs. 
Krieg mit den Griechen und Franken. 

Arpiazat 

18 Jahre. 

Beginn im 7, J. Thara's. Beginn im 7. J. Thara's. 

7 Jahre Unterbrechung. 
Dann Belos (Wilos) der König von Assyrien. 
Charakteristisch sind auch die Quellen, aus denen diese 
angeblich babylonische Geschichte geschöpft ist. Nebröth zu- 
erst trug eine gestickte, nicht aus Metall gefertigte Krone, 
das bezeugt der Magier Menandros (V. 34) und setzt 
J. S. 16 hinzu: Yösap im IL Buche. (Der Asaphus bei 
Barhebraeus chron. Syr. p. 9.) Es ist Pseudoiosephus. Für 
Samiros wird als Zeuge Samatros (v. 1. Samaros) der 
Magier genannt. Für die in Nakhörs Zeit eintretenden Prü- 
fungen Jobs werden Arukh (Arut V., Arad Barhebr. 1. c. 
p. 10) der Kananäer und Yöseph der Schreiber citirt. 
Wir haben es mit den bei solchen Spätlingen öfter wieder- 
kehrenden erdichteten Autoritäten zu thun. 

Für die Epoche von Abraham bis Moses ist die Quelle, 
um es kurz zu sagen, der von Annianos bearbeitete Eusebios. 
Die 430 Jahre sind natürlich für alle Bibelchronologen voll- 
kommen fest. Aber die einzelnen Posten berechnen sie lieber 

29* 



446 I^äs Geschichtswerk Mar Michael des Grossen. 

statt nach Eusebs echt biblischen Zahlen nach den Genera- 
tionen von Levi an, wie schon Africanus gethan, während 
Euseb diese Bechnungsweise ziemlich geringschätzig behandelt. 
Natürlich hat Michael, wie jeder spätere, in den Einzelposten 
kleine Veränderungen angebracht, die sich aber gegenseitig 
ausgleichen, weil die Summe feststeht. 

Eusebios. Michael. 

Abraham .... 75 Jahre. Abraham ... 75 Jahre. 

Er betritt Canaan 

25 Jahre 
Isaak 60 „ 

Jacob 121 „ 

Joseph 80 „ 

Knechtschaft 144 „ 





Er betritt Canaan 




25 Jahre 


Isahak 


60 „ 


Yaköb 


89 „ 


Levi 


46 „ 


Eahad 


60 „ 


Amram 


70 „ 


Moses 


80 „ 



Summa (Hier, ad.a.75) 430 Jahre 



Jahr des Auszugs = 430. Jahr 

des Gelöbnisses. 

Die Ausgabe von Jerusalem erscheint in diesem Abschnitt 
als eine stark verkürzte Recension; sie enthält fast nur die 
heilige Geschichte und lässt die Profannotizen meistens weg. 
Die einzelnen Notizen in beiden Recensionen sind grossentheils 
dem Eusebios entlehnt. Die Zusätze gehen in der Regel auf 
Annianos zurück oder finden sich in der von ihm beeinflussten 
Ueberlieferung. 

Die Frage, wie Stephanos des Protomartyrs Angabe mit 
den chronologischen Angaben der Genesis vereinigt werden 
soll, beschäftigt auch Michael (Y. S. 39) ; aber das Auskunfts- 
mittel mit den Zahlen der Samaritaner wagt er nicht ernsthaft 
geltend zu machen. 

Bei der Geburt Jakobs beruft sich J. S. 26 direkt auf 
Annianos (in V. fehlt die Angabe) : ^^Enanos sagt, im 60. Jahre 
Isahaks gebar Rebekka; andere sagen im lOOsten." 

Ungenau ist dagegen seine Ansetzung von Ismaels Geburt 
in Abrahams 85. Jahre (V. S. 39 und 41, J. S. 24 und ebenso 
nach Michael Barhebraeus chron. Syr. S. 11). Annianos setzte 
die Geburt ins 86. Jahr R. ad a. Abr. 86 : octoginta sex annorum 
erat Abraham. Synkellos S. 186,20: ^Aßqaafi '^v irwv ttc', 



Das Geschichtswerk Mar Michaäl des Grossen. 447 

iqviyia ereuev l^yccQ top ^lofiariX Tfp ^Aßqaaii, wg yiyqaTtxtti iv 
ßißhp ^rlg reviaewg. Gen. 16, 3 heisst es nur, dass Abraham 
tO Jahre nach dem Eintritt in Kanaan die Agar nahm. Der 
exakte Bibelchronolog setzt darum Jsraels Geburt ein Jahr 
später. Michael hat ein Jahr weniger gerechnet. Das zeigt 
eine zweite Stelle J. S. 24: „Und Ismayel lebte 137 Jahre bis 
zum 60. Jahre Yaköbs." 137 ist mit dem gewöhnlichen Schreib- 
fehler (tjfürL) aus 135 einfach verschrieben. (15-(-60-f-60 
= 135). 

Auf Annianos scheinen bei Michael auch die Erzählungen 
über Esau's Tod (auch bei Synkellos) und die reiche Jugend- 
geschichte Moses zurückzugehen, während die zahlreichen 
anderen auf apokryphischen Quellen beruhenden Notizen wohl 
auf syrische Gewährsmänner zurückzuführen sind. 

Von Summen finden wir nur die Angaben : 3842 als Jahr 
des Auszugs (V. S. 48 und J. S. 33) und 3730 als Jahr von 
Moses Tod nach Euseb. (V. S. 50.) 

Für die Richterzeit hat Michael folgende Berechnung: 

Jesus 27 Jahre; 

Godoniel 40 Jahre, 

darein werden eingerechnet die 8 Jahre Ehusasarthems ; 

Avöd 80 Jahre, 

darein werden eingerechnet die 18 Jahre der Moabiter; 

Barak 40 Jahre, 

darein werden eingerechnet die 20 Jahre der Knechtschaft; 

Gedeon 40 Jahre, 

darein werden eingerechnet 7 Jahre der Obmacht der Madianiter. 



Abimelekh 


3 Jahre; 


Thöla 


22 


j) 


Yayir 


23 


» 


Obmacht der Fremden 


(8) 


18 Jahre; 


Yephtayi 


6 Jahre; 


Esebon 


7 


» 


[Elon 


10 


» ] 


Abdon 


8 


?? 


Die Philister 


40 


?? 


Samphson 


20 


)5 



448 ^^ Geschichtswerk Mar Michael des Grossen. 

Beide Bearbeitungen sind nachlässig und lückenhaft, so- 
dass die Rechnungsweise des Michael nur mit einer gewissen 
Wahrscheinlichkeit bestimmt werden kann. Er hält sich an 
das Vorbild des Eusebios und bezieht mit ihm die Fremd- 
herrschaften in die Richterzeiten ein. Abweichungen anderer 
Chronographen werden angemerkt, aber nach dem Wortlaut 
deutlich nicht verrechnet. So sagt er bei Jesus' Tode J. S. 34 
(vgl. V. S. 50) : „Zwischen ihm (Jesus) und Godoniel wird kein 
anderer erwähnt ; aber Aphrikanos sagt 30 Jahre." Offenbar will 
der Verfasser selbst die hier erwähnte Seniorenherrschaft nicht 
gerechnet haben. Ebenso bemerkt er (nach Africanus), dass 
die Griechen Godoniel 50 Jahre zutheilen. Er selbst rechnet 
wie Eusebios 40 Jahre. J. S. 34 : „Dieser Godoniel war 40 Jahre 
Richter." 

Aber ohne Kritik kann er Eusebios' System nicht an- 
nehmen, er verfahrt eklektisch, wie seine »Berechnung Yeph- 
thayi's zeigt. Eusebios verrechnet die Fremdherrschaft der 
Ammoniter (18 Jahre) mit den nachfolgenden beiden Richtern, 
die aber nur 15 Jahre regieren; denn dann folgt Samphson. 
Michaels Rechnung findet sich genau in der Ausgabe von 
Jerusalem angegeben S. 37: „Nach Yayir dienten sie den 
Fremden 18 Jahre, und das Richteramt übernahm Yephthayi 

6 Jahre. 24 Jahre rechnen sie ihm zu." 

Nach Yephthayi hat die Ausgabe von Jerusalem einen ent- 
schieden verdorbenen Text, der aber für die Rechnungsweise 
wichtige Fingerzeige enthält S. 38. „Nach Yephthayi erwähnen 
einige den Richter Elon. Die LXX setzen den Abdon, welcher 

7 Jahre richtete. Nach Abdon herrschten die Philister 40 Jahre. 
Nach Elon und Abdon Samphson aus dem Stamme Dan. Dieser 
richtete Israel 20 Jahre." ♦ 

Das Richtige hat die Angabe von Venedig S. 34 be- 
wahrt: 

Esebon 7 Jahre 
Abdon 8 Jahre 

Elon wird, als von den LXX nicht erwähnt, nach dem 
Vorgang des Eusebios übergangen. Es ist charakteristisch, 
dass Michael diesen Flüchtigkeitsfehler des Eusebios mitmacht, 
obschon sein vielbenutzter Führer Annianos bereits auf diesen 



Bas Geschichtswerk Mar Michael des Grossen. 449 

Fehler aufmerksam gemacht hat. Sync. p. 65, 9. Wichtig ist 
die Angabe, dass Samphson unmittelbar auf Abdon folgt; die 
40 Jahre der Philister sind also als gleichzeitig mit Samphson 
und seinen Nachfolgern berechnet. 

Die irrige Angabe, dass Samphson nach dem hebräischen 
Texte 40 Jahre regiert habe, hat nur die Venetianer Ausgabe 
S. 54. 

XJeber die Zeit nach Samphson hat wieder die Jerusalemer 
Ausgabe eine in der Venetianer fehlende Angabe 8. 39. „Nach 
Samphson lebten die Kinder Israel 12 Jahre. Yöhannes der 
Historiker schreibt, dass Samegar (Richter) nach Samphson 
40 Jahre war. Und Aphrikanos sagt, dass sie keinen Richter 
hatten, sondern es war Friede, und sie wurden in jenen Tagen 
von keiner Seite bedrängt." Die Zahl 12, welche im Gegen- 
satz zu den Angaben des Johannes und des Africanus die von 
Michael verrechnete Summe bezeichnet, wird auch von Bar- 
hebräus bezeugt chron. syr. S. 17: alii scribunt 12. Offenbar 
ist hier Michael gemeint. 

Die Folgezeit berechnet Michael so: 

Heli 40 Jahre 

Samuel 20 „ 

Samuel und Saul 40 „ 

Saul und David 7 „ j ^^ ^^^^^ 

David allein 33 „ | 

Im Einzelnen ist wieder vieles verwirrt. Widersprüche 
und Verschreibungen liegen auch hier vor. Aber diese Zahlen 
scheinen fest zu stehen. Dass für Heli 40 und nicht 20 Jahre 
berechnet sind, ergiebt sich aus den Angaben über Samuel. 
Er wird geboren im 18. Jahr Helis (J. S. 39: im 17. Jahr). 
In Samuels 42. Lebensjahre fordern die Israeliten einen König. 
Im 23. Jahre Sauls, wo Samuel den David salbte, ist ersterer 
65 Jahre alt (22 + 20 + 23 = 65). David wird im 10. Jahre 
Sauls geboren. In seinem 30. Lebensjahre stirbt Samuel. 
Die 40 Jahre Sauls sind also die Jahre, welche er mit Samuel 
zusammenlebte. Die 7 Jahre, welche David in Hebron herrschte, 
sind identisch mit den 7 Jahren (Y. S. 56), um welche Saul 
den Samuel überlebte. Michael fasst also die 7 Jahre, welche 



450 ^^ Geschichtswerk Mar Michael des Grossen. 

David neben dem Hause Sauls herrschte, als Jahre Sauls. 
Damit stimmen Davids 70 Jahre überein (30 -}- 7 + 33 = 70). 

Vom Auszug bis zum Tempelbau rechnet Michael folgender- 
massen J. S. 41 (= V. S. 57): „Geschrieben ist im Buche der 
Könige, dass 480 Jahre nach dem Auszug aus Aegypten der 
Tempel gebaut wurde. Ebenso sagt Paulus, dass er ihnen 
Richter gab 450 Jahre bis auf den Propheten Samuel. Sie 
liessen weg für die Zeit der Dienstbarkeit unter den Fremden 
30 J." Ganz anders übersetzt Langlois (V. S. 57) : Suivant 
cette supputation nous trouvons 50 ans de plus. Cette difFe- 
rence provient du temps de leur asservissement par les 
etrangers. Ich gestehe, dass mir beide Angaben recht dunkel 
sind. Soll die letztere heissen, dass bei einem Ansatz von 
450 Jahren für die Richterzeit 50 Jahre mehr als 480 gerechnet 
sind? Es scheint so; denn wenn wir die oben gewonnenen 
Einzelposten (auch die 12 Jahre Anarchie nach Samphson ein- 
gerechnet) zusammenzählen, ergeben sich in der That bis zum 
Beginn des Tempelbaus (Solomon's 4. J.) 530 Jahre. Indessen 
möchte ich darin eher einen Zufall sehen, da wir sonst nirgends 
bemerken, dass Michael ernsthaft eine eigne Chronologie 
durchführt. 

Das zeigen auch die in dieser Periode zahlreich ein- 
gestreuten griechischen Gleichzeitigkeiten. Sie sind in weit 
überwiegender Mehrzahl dem Eusebios entlehnt. In der 
Chronologie schliesst sich Michael aufs engste an diesen an. 
Er setzt die von ihm angeführten Könige der Griechen, 
Aegypter und Assyrer immer in das Richterjahr, wo Eusebios 
sie eingefügt hat. Die Ausgabe von Jerusalem ist hier bei 
weitem weniger reichhaltig, als die von Venedig. Einiges in 
dieser Fehlende hat sie aber, so im 3. J. Gedeons Igos (Aegeus) 
König von Athen. In Yayirs 6. J. regiert Amukasos (Amme- 
nemes) über Aegypten. Im 4. J. Yephthayi's (1. Abdons) wird 
Dimaphos (Demophon) König über Athen, und in Aegypten 
Diosbululite und Andere an seiner Stelle der Reihe nach 
178 J. (J. S. 38). Es ist die XX. Dynastie der Diospoliten. 

Die Abweichungen beruhen meist auf Missverständnissen. 
In Moses' Zeit wird angemerkt (J. S. 32 = V. S. 50): „Damals 
wurde der Tempel Apollos in Athen gebaut und Arispagos 
genannt, das ist Richthaus.^^ Die beiden Notizen über den 



Das Qeschicht&werk Mar Michael des Grossen. 45 1 

Bau des Apollotempels (in Delos) durch Erysichthon und über 
die Gründung des Areopags sind hier kontaminirt. Aehnlich 
ist unter Godoniel die Angabe (J. 8. 34 = V. S. 50) „in seinen 
Tagen wurden in Bithynien die Städte Males, Papos, Theasos, 
Alkite, Marunta gebaut: und damals wurden auch in Sikila 
Städte gebaut^^ aus den Notizen Hieronymus ad. a. Abr. 590, 
593 und wahrscheinlich 613 zusammengearbeitet. 

Wirkliche Abweichungen sind z. B. die Ansetzung von 
Pelops' (Palampos) Eönigthum unter Godoniel; den richtigen 
Ansatz unter Avöd hat wenigstens die Ausgabe von Jerusalem 
S. 35 ebenfalls (=H. 619). Gänzlich fehlt bei Eusebios die 
in beiden Becensionen zum 21. Jahr Thola s gegebene Notiz 
von der Gründung von Tarsos durch Brisos (Perseus). Durch- 
aus abweichend von Eusebios ist auch die Ansetzung von 
Apolon (Amphion) unter Gedeon. Allein der Jerusalemer 
Text S. 36 fahrt fort: „in einem andern Buche haben wir ge- 
funden, dass in Athen der zweite Kekrops herrschte." Das 
ist Eusebs Chronologie, der in der That Amphion 691 oder 
693 in die Regierung des II. Eekrops setzt. 

Die sonderbare Notiz unter Barak V. S. 52: Medon regna 
sur les Africains, erklärt sich aus J. S. 36 : Damals herrschte 
Midos über die Afrikaner H. 708. A. 707. Der Uebersetzer 
hat aus der syrischen vokallosen Schreibweise des Namens 
der Phryger 'Africaner' gemacht. 

Eines der seltsamsten Missverständnisse begegnet dem 
Chronisten unter Samphson J. S. 38 (V. 54) : „Im 19. (1. 18.) Jahre 
Samphsons starb Zeus, und wurde in Eritis (Kreta) begraben, 
nachdem er 880 (1. 888) Jahre gelebt hatte. Wegen seiner 
Langlebigkeit wurde er Zeus nach dem Namen des Sterns 
genannt, während er ursprünglich von den Eltern Dies genannt 
worden war." Langlois hat richtig gesehen, dass hier eine 
Verwechslung mit Zeuxippos vorliegt, der bei Euseb im 
18. Jahre Samphsons zur Regierung kommt und im 888. Abr. 
stirbt. Sonst bemerkt es Michael auch ausdrücklich, wo er 
von Euseb abweicht. Den Pharao, der im rothen Meer ertrank, 
nennt er Phsanos; bemerkt aber dann J. S. 32: „Eusebios 
sagt, dass der ertrunkene Pharao Kanakharis (Chencheres) und 
nicht Phsanos hiess." 



452 I^^s Geschichtswerk Mar Michael des Grossen. 

Eine Beihe Zusätze sind unter sich ähnlich geartet. 
Lambarigos (Lamprides) der Assyrerkönig baut die Stadt 
Balakhse (V. S. 51, J. S. 35). Barhebraeus chron. Syr. 8. 16 
hat abweichend, dass Balchus die Stadt Haleb (Beroea) baute. 

Höchst abenteuerliche Angaben hat er über Kekrops (V. 
S. 46, 49, J. S. 30, 31, 32). Er ist Herrscher über ganz Asien, 
das von ihm nach seinem Namen 'Kapadökia' benannt wurde ; 
vorher hiess das Land 'Aliu'. Die Notiz über die Erfindung 
der Schrift durch Kekrops, welche V. S. 50 in ganz anderem 
Zusammenhang giebt, ist auch inhaltlich etwas abweichend. 
Die Ausgabe von Jerusalem S. 31 hat: „Dieser fertigte die 
griechische Schrift nach der ägyptischen an, denn er kannte 
beide Sprachen. Er transplantirte die Bewohner der Stadt 
Memphis und siedelte sie in Athen an; daher wurde die Weis- 
heit in den Gegenden des Nordens angesät." Ausserdem hat 
sie die wichtige Bemerkung (S. 30 a. Ende) : „Bezüglich dieses 
sagen sie, dass er im ersten Jahre Godoniels herrschte. '^ Diese 
Notiz gehört weder der Chronologie des Africanus, noch der 
des Eusebios an. Derselben Quelle scheint die Notiz (J. S. 35 
vgl. V. S. 50) zu entstammen: „Einige sagen, dass Eadmos 
die Schrift der Griechen nach der ägyptischen Schrift erfand." 
Damit halte man zusammen J. S. 33 (vgl. V. S. 49): Apolomes, 
der hebräische Philosoph, sagt, dass Moses die Schrift der 
Hebräer anfertigte. Daher geschah es, dass Schrift und 
Sprache der Hebräer jünger sind, als die der Syrer." 

Offenbar folgt hier Michael einer syrischen Quelle, welche 
für die Kultur der eignen Nation das höchste Alterthum be- 
anspruchte und daneben nur noch die Aegypter gelten Hess. 

Unter Barak wird die Vision der Philosophen in Rom 
erwähnt, welche die Sibylle (Sibila) deutet. Als David die 
Bundeslade aus dem Hause Aminadabs fortführte, neigte sie 
sich bei dem Grabe Adams. Hier wird als Quelle Jakob von 
Edessa erwähnt. Zweifellos hat er dessen Chronik für eine 
Beihe Bemerkungen herangezogen. 

Die apokryphen Notizen über die Propheten (Nathan-Achia) 
gehen ebenfalls auf eine einheitliche Quelle zurück. J. S. 42 
wird über Achia'e Strafreden und Gesichte viel ausführlicher, 
als Y. S. 57 berichtet, und als Quelle ausdrücklich Epiphanios 



Das Geschichtswerk Mar Michael des Grossen. 453 

d. h. die unter seinem Namen kursirenden Prophetenlegenden 
angeführt ; ebenso wird diese Quelle für den vom Löwen getöteten 
Propheten von beiden Recensionen citirt (V. S. 61; J. S. 43). 

Kürzer können wir uns über die Eönigsreihe von Solomon 
bis Sedekias fassen. Die Zahlen sind die üblichen und, wie 
die 12 Jahre Amons zeigen, dem Eusebios entnommen. Die 
biblischen Berichte sind in der Ausgabe von Jerusalem mehr- 
fach ausführlicher, als in der von Venedig. Aus Eusebios 
stammen die zahlreichen historischen Notizen. Meistens sind 
es Angaben aus den fila regnorum. Die Ausgabe von Jerusalem 
bietet hier mehreres, was in der Venetianer fehlt, und natürlich 
findet auch das Umgekehrte statt. Die Abweichungen und 
Versehen sind nur solche, welche auf Nachlässigkeit des Ver- 
fassers oder der Abschreiber zurückzuführen sind und lassen 
keinen Augenblick am Eusebianischen Ursprung dieser Notizen 
zweifeln. 

Nicht ganz unwichtig ist die Notiz J. S. 55 (= V. S. 67): 
„Damals wurde Salines in Sikilia und in Pontes die Stadt 
Traphor erbaut. In Bithynien wurde Eizikon erbaut und in 
Italien wurden Kalönon und Luka erbaut." Man vergleiche 
damit H. 1261 und A. 1260 (mit der Randnotiz). Der syrische 
Kanon des Eusebios hat also die sämmtlichen Notizen über 
Städtegründungen, welche Hieronymus und der Armenier ge- 
trennt aufführen, vereinigt aufgezählt. 

Zu den aus andern Quellen entnommenen Notizen gehören 
eine Beihe Angaben aus der Regierung Solomons. So die 
über die Zeitdauer der Erbauung des moabitischen und des 
ammonitischen Göttertempels. Diese Angabe hat Barhebräus 
übernommen, ebenso die bei Anlass von Solomons Städtebauten 
eingeflochtene Notiz von der Zerstörung von Antiochia, eine 
zweifellos aus einer bedenklichen syrischen Quelle geschöpfte 
Angabe. Der lange Exkurs über das Gespräch des Königs 
mit der Königin von Saba fehlt in der der armenischen Aus- 
gabe zu Grunde gelegten Handschrift; der Herausgeber be- 
merkt aber S. 43, dass eine andere Uebersetzung dasselbe 
enthalte. Ueber die Dauer des assyrischen Reiches hat die 
Jerusalemer Ausgabe die richtigen Zahlen: 1196 Jahre Abra- 
hams, so viel zählt auch der Armenier und im Ganzen mit 
Belos' Regierung 1300 (1196 -f 42 -f 62). 



454 I^äs Geschichtswerk Mar Michael des Grossen. 

Ueber die biblischen Assyrer- und Babylonierkönige giebt 
er folgenden Exeurs J. S. 49 (V. S. 63): „Nach seinem (War- 
bakes) Tode wurde König in Ninue einer aus dem Stamme 
der Chaldäer Namens Phul Ephua ^) und von diesem stammten 
ab Thaklathphalsar, Salmanasar, Senekherim, deren die heilige 
Schrift gedenkt. Diese herrschten über die Eiliker und Phi- 
lipper (so! PhilipeQVog). Zu ihnen gehören Nakhonos, Nakhu- 
bolos, Nabupalsar und Nabugodonosor. Ihre Jahre von Phua 
bis auf Alexander den Makedonier werden zu 424 Jahren be- 
rechnet. Nach dem Tode Alexanders herrschten Seleukos, 
Antiokhos, Kilikhos, welcher Kilikia baute, Suros, welcher 
Soria baute (gründete), von dem die Syrer den Namen haben, 
die bis auf ihn Chaldäer genannt wurden. Seleukos baute Seleu- 
kia; Antiokhos baute (wieder) Antiokhia nach der Zerstörung 
Salömons; -ebenso hat Seleukos XJrha, das Nebröth erbaut 
und Senekherim zerstört hatte, auf Alexanders Befehl (wieder) 
aufgebaut. Dieser Seleukos besiedelte mit einer zahlreichen 
Bevölkerung Tarsen in Kilikien, weil wegen der ungesunden 
Oertlichkeit sich dort früher niemand niedergelassen hatte.*^ 

Das in der Yenetianer Ausgabe fehlende Schlussstück ist 
von Wichtigkeit; man bemerkt die Hervorhebung des Alters 
von Edessa. Schon J. S. 15 waren als Nebröths Städte Areg 
(Erech, Orchoe), Urha und Mcbin (Nisibis) aufgezählt worden. 
Für Ufha hat V. S. 32: Ur. Es kann aber keinem Zweifel 
unterliegen, dass die echte Ueberlieferung bei J. erhalten ist. 
Gerade dieser deutlich hervortretende edessenische Lokal- 
patriotismus macht es nicht unwahrscheinlich, dass hier wieder 
eine Benutzung der Chronik des Jakob von Edessa vorliegt. 
Die naive Fabulirungslust, welche hellenistisches in die Urzeit 
verlegt und historische und Fabelnamen munter durcheinander- 
wirft, erinnert ganz an die Urgeschichte im ersten Buche des 
Moses von Choren. Es ist gleichsam ein syrisches Vorbild 
jener armenischen Quasihistorie. 

Auch bezüglich der Jahre der Gefangenschaft ist bei 
Michael nichts zufriedenstellendes zu eruiren. Die Ausgabe 
von Jerusalem hat zwar die richtige Reihenfolge Nabugodo- 
nosor, Ilmarödak, Baltasar, aber ist sonst womöglich noch 
fehlerhafter, als die von Venedig. 

*) Der Syrer hat ein griechisches ^ovX rj *oi>« missverstanden. 



Das Geschichtswerk Mar Michael des Grossen. 455 

Michael rechnet: 

Nabugodonosor 25 Jahre (J. 27) 

ümarödak 3 „ 

Baltasar 2 „ 

Dareh der Meder 3 „ (V. S. 73) 

Kyros Tod 60. Jahr der Gefangenschaft. 

Offenbar rechnet er 30 Jahre für Kyros und in diese sind 
die 3 Jahre Dareh des Meders einberechnet. Mit 8 Jahren 
des Eambyses und 2 des Dareios werden dann die 70 Jahre 
erreicht; allein die Zahl Dareh des Meders fehlt in der Aus- 
gabe von Jerusalem. Als Summe giebt Y. 536 Jahre an vom 
Tempelbau bis zu Dareh's 3. Jahre, J. 508 (v. 1. 536) bis 
zu Dareh's 6. Jahr. Weder die eine, noch die andre Zahl 
stimmt mit den Einzelposten. 

Die persische Eönigsliste zeigt einige Abweichungen von 
Eusebios : 



Kambyses (Kambisos) 


8 Jahre 


Die Magier 


7 Monate 


Dareh 


36 Jahre 


Khserkhes 


21 „ 


Artavanos 


5 Monate 


Artases Erkaynabazuk 


41 „ 


Artases 


2 Monate 


Sikdinos 


7 „ 


Dareh Nudos 


19 Jahre 


Artases usel 


40 „ 


Artases Ukhos 


27 „ ») 


Arisbores 


4 „ *) 


Dareh 


6 „ 



21 Jahre für Xerxes hat auch der armenische Eusebios 
ad. a. Abr. 1532, 27 Jahre für Ochos rechnet der syrische 
Eusebios des s. g. Dionysios v. Telmahre z. J. 1676. 

Unter den Einzeldaten erweckt Interesse die Ansetzung 
von Esther unter Xerxes (V. S. 74, J. S. 67), wozu der Ver- 
fasser bemerkt: „Yöhannes (Asiae) stimmt nicht zu, dass sich 

') Die Zahl fehlt in der Ausgabe von Jerus. 
*) Ausgabe von Venedig: 3 J. 



456 I^äs Geschichtswerk Mar Michael des Grossen. 

damals die Geschichte mit Esther ereignete; denn, sagt er, 
wenn sie sich (damals) ereignet hätte, warum hat Ezra nichts 
davon geschrieben?" Das ist die Argumentation des Eusebios 
ad a. Abr. t552. Also hat Michael den Eusebios im Auszug 
des Johannes, aber welches Johannes benutzt? Dass es Jo- 
hannes von Ephesos sei, steht allerdings beiLanglois; aber im 
armenischen Text ist das Beiwort (Asiatin) nur ein erklärender 
Zusatz des Herausgebers und dazu ein falscher, denn Johannes' 
Kirchengeschichte hat die vorchristliche Zeit nicht mitbehan- 
delt. Dagegen finden sich bei Michael eine Reihe merkwür- 
diger Anklänge an die Epitome, welche man bisher dem 
Dionysios vonTelmahre zugeschrieben hat, welche aber nach den 
Untersuchungen von F. Nau und Th. Nöldeke vielmehr Josua 
dem Styliten angehört. Zum 11. Jahre Gedeons merkt Michael 
(V. S. 52) die Gründung von Tyros und Kyzikos als gleich- 
zeitig an, welche Eusebios auf verschiedene Jahre vertheilt. 
Auch die syrische Epitome hat beide vereinigt z. J. 744. Die 
sonderbare Angabe der Schatzhöhle ^), dass Hiram, der von 
Nebukadnezar getötete König von Tyros, kein andrer als 
Davids Zeitgenosse sei, welcher während der ganzen Königs - 
zeit lebte, findet sich sowohl in der Epitome^), als bei Michael 
J. S. 64; „Khiram den König von Tyros tödteten sie, welcher 
die gesammte Zeit der Könige Juda's gelebt hatte." Andre 
nicht-eusebianische Notizen zeigen zwar Verwandtschaft; aber 
Michael kann seine Fassung nicht aus der Epitome geschöpft 
haben; diese erwähnt beispielsweise z. J. 1622 den Krieg 
zwischen den Karthagern und Africanus. Michael dagegen 
J. S. 69 hat: „Der Utukartor (Diktator) von Rom zerstörte 
Karthago." Abweichend und noch ausführlicher ist V. S. 75. 
Solche Notizen können unmöglich auf die Epitome zurück- 
gehen. Offenbar hat Michael den Eusebios zu Grunde gelegt 
und daneben gelegentlich das Werk „Johannes des Historikers" 
eingesehen, den er, wie wir gesehen, auch für die 40 Jahre 
Samegars citirt hat. Näheres über dieses von Michael be- 
nutzte Geschichtswerk vermag ich nicht einmal zu vermuthen. 
Die Zeit von Alexander bis auf Christi Geburt enthält 
wenig bemerkenswerthes. Neben den Ptolemäern zählt der 

») Die Schatzhöhle übers, v. C. Bezold S. 43. 

2) Eusebii canonum epitome ill. C. Siegfried et H. Geizer S. 26. 



Das Geschichtswerk Mar Michael des Grossen. 457 

Syrer auch die Seleukiden auf; allein beide Reihen sind höchst 
unvollständig. Der Verfasser rechnet von jetzt an nach der 
Seleukidenära. Das erste so datirte Stück (Y. S. 79, J. S. 76) 
über die Entstehung des parthischen Reiches ist übrigens ein 
Einschub des armenischen Bearbeiters. Es ist das erste um- 
fängliche Stück nationaler Geschichte, das er in seine Quelle 
hineingearbeitet hat, während in den vorhergehenden Ab- 
schnitten die national- armenischen Zusätze sich in äusserst 
bescheidenen Grenzen gehalten hatten. 

Die nationalsyrische Quelle bringt auch (V. S. 77) die 
schlichte Notiz des Eusebios von den Städtegründungen des 
Seleukos Nikator ad a. Abr. 1715 in bedeutend erweiterter Ge- 
stalt, nennt die vier Töchter, denen zu Ehren angeblich Seleukos 
die Städte benannte. Es ist übrigens zu bemerken, dass J. 
eine kürzere Fassung hat S. 73 : „Dieser (Seleukos) vollendete 
die Erbauung von Antiochien, und erbaute Seleukia, Latik, 
Ephemia, Beria d. i. Halb, Balu, Maras und siedelte in ihnen 
Hebräer an.^^ Ausgefallen ist Urhay-Edessa. Diese Fassung 
des Michaeltextes unterscheidet sich nur durch den Zusatz der 
Stadt Maras von Eusebios, ebendieselbe Fassung hat der sehr 
stark Michael benutzende Barhchräus chron. Syr. S. 38. Eine 
werthvoUe chronologische Zusammenstellung giebt Michael bei 
der Datirung von Christi Geburt J. S. 93 (= V. S. 87) : „Um 
diese Zeit geschah die frohe Botschaft an die hl. Jungfrau, und 
nach 9 Monaten und 5 Tagen die Geburt des lebenspendenden 
"Wortes, unsres Gottes und Herrn Jesus Christus im 43. Jahr 
des ögostos und im 33. Jahr des Herödes, und nach der Aera 
der Syrer im Jahre 315. Von Adam bis zur Geburt Christi 
sind 5284 Jahre, dies nach Eusebios, aber nach den LXX 5198 
und nach Enanos 5091 und nach andren 5503 und nach den 
Syrern 5026." Es hat allen Anschein für sich, dass Michael 
diese chronologische Zusammenstellung nicht selbst gemacht, 
sondern einer seiner Quellen bereits entnommen hat. 

Die nachchristlichen Partieen von Michaels Chronik fallen 
ausserhalb des Kreises unserer Betrachtung. Ein irgendwie 
abschliessendes Urtheil über den Werth von Michaels Chronik 
können wir erst fallen, wenn der syrische Originaltext einmal 
zugänglich gemacht sein wird. Immerhin soviel scheint doch 
schon aus der Betrachtung der beiden ungenügenden armeni- 



458 Mar Solomon von Perat-Maisän. 

sehen Bearbeitungen hervorzugehen, dass Michael keinen Werth 
auf die Aufstellung eines besondern chronologischen Systems 
gelegt hat; er steht in dieser Beziehung bedeutend hinter 
seinem sorgföltig und sauber arbeitenden Nachfolger Barhe- 
bräus zurück. In der Hauptsache hat er sich an Eusebios ge- 
halten, was ihn freilich nicht hinderte, mehrfach von seinem 
System abzuweichen; daneben hat er namentlich im Beginn 
stark den Annianos zu Rathe gezogen und syrische Quellen, 
wie Jakob von Edessa und Johannes den Historiker ausge- 
schrieben. Sein Verfahren ist ein eklektisches. Ofifenbar legt 
er das Hauptgewicht auf die Erzählung der späteren Ge- 
schichte, auf der denn auch der eigentliche Werth der Chronik 
beruht. 



Mar Solomon von Perat-Maisän. 

Ueber Solomons Leben ist uns nur Weniges bekannt.^) 
Geboren wurde er in der Stadt Hilät, arm. Hlath am Nordwest- 
ufer des Wansees. Er war Nestorianer und wurde Metropolit 
von Perat-Maisan (al-Basra) ; als solcher war er bei der Kon- 
sekration des nestorianischen Eatholikos Sabr-isö' c. 1222 
gegenwärtig. Als alter Mann *) hat er sein Buch „die Biene" 
geschrieben, so benannt, weil „es aus den Blüthen beider 
Testamente und den Blumen der hl. Bücher gesammelt ist". 2) 
Das Buch ist an seinen Freund Mar Narses, Bischof von 
Höni-Säbör (Bet-Wazik) gerichtet. Gemäss seinem mehr 
erbaulichen und fromm unterhaltenden Charakter ist die Ge- 
schichte darin sehr stiefmütterlich behandelt. Der Ver- 
fasser sagt selbst S. 66: „Da wir nicht beabsichtigen, eine 
vollständige Geschichte der Könige und Richter zu schreiben, 
sondern nur wenige Materialien zu sammeln, welche dem 
Schwachen in einer Zeit der Verzweiflung zum Tröste dienen 
können, siehe, so gehen wir mit kurzen Bemerkungen 



*) Vgl. Anecdota Oxoniensia. Semitic Sei-ies vol. 1 Part. II the book 
of the bee edited by E. A. Wallis Budge. Oxford 1886, praef. S. III. 
«) a. a. 0. S. 2. 



Mar Solomon von Perat-Maisän. 459 

darüber hin/' So giebt denn Solomon für die vorfluthige Epoche 
sehr reiche Berichte, meist Auszüge aus der Schatzhöhle und 
ähnlichen Quellen. Aber die Patriarchenliste cp. X YIII S. 27 ff. 
ist dürftig. 



Adam 


230 


Seth 


250 [1.205 


Eno8 


290 [1. 190] 


Cainan 


140 [1.170 


Mahaleel 


165 


Jared 


162 


Enoch 


165 . 


Methuselah 


187 


Lamech 


182 


Noah 


600 



Die Zahlen Seths, Enos' und Cainans sind sicher nur 
Schreibfehler; anders steht es mit Lamechs 182 Jahren, welche 
mehrere griechische Chronographen kennen, vgl. Africanus II 
S. 347. Allein die Aenderung 188 liegt doch nahe; und die 
Summe 2262, welche S. 123 auch Solomon anführt, ist von den 
Spätem so häufig beibehalten worden, dass man zum mindesten 
die Möglichkeit zugeben muss, die Quelle, welche Solomon be- 
nutzte, habe so gerechnet. Er selbst giebt hier keine Summen 
und bezeichnet nicht das Epochenjahr der Fluth; erst cp. XXIII 
S. 41 bei Terah giebt er die gewöhnliche Zahl 2242. Offen- 
bar hat sich der Yerfasser bei seinem eiligen Excerpieren um 
diese Widersprüche gar nicht gekümmert. 

Besser ist die nachfluthige Beihe bis Abraham cp. 23 
S. 38 ff. 



Shem 


2 Jahre 


(nach der Pluth) 


Arphaxar 


135 


)? 




Eainan 

• 


139 


59 




Shäläh 

* 


130 


?5 




Eber 


134 


5) 




Peleg 


130 


?5 




Reu 


132 


)9 


• 


Serug 


130 


59 




Naher 


79 


55 




Terah 


70 


55 




Oelzer, Jnl. Afric. II. 






30 



460 Mar Solomon von Perat-Maisan. 

Die Zahlen sind die üblichen mit Ausnahme Eainan's, 
der 139 Jahre hat. Indessen gerade diese Zahl ist auch 
anderweitig gut bezeugt (Africanus II S. 347). Die Summe 
ergiebt 1081 Jahre, und so viel rechnet in der That der Ver- 
fasser cp. 23 S. 41. Freilich ist dann gleich wieder die Summe 
von Adam bis auf Abrahams Geburt (2242 -|- 1081) fehlerhaft: 
3313; dafür ist aber mit dem Herausgeber (S. 41 N. 2) 3323 
zu lesen. 

In der Epoche von Abraham bis Mose fehlt ein Posten; 
indessen hier sind durch sämmtliche Bibelchronologen so feste 
Zahlen gegeben, dass das von Solomon benutzte System sich 
leicht herstellen lässt. 



Abraham 


100 Jahre S. 42 


Isaac 


60 


» 


S. 43 


Jacob 


• 






Levi 


46 




S. 48 


Kohath 


63 




S. 48 


Amram 


70 




55 55 


Moses auf Sinai 


80 




S. 51 


Moses t 


120 




alt 8. 65 



Levis Geburtsjahr ist nicht angegeben, wohl aber das 
Rübils (Rubens), den er in Jakob's 84. Jahr setzt cp. 27 S. 45. 
Da Levi der dritte Sohn ist, muss er in Jakobs 86. Jahr fallen. 
Solomon hat also die bekannten bei Eusebios chron. I 97 über- 
lieferten Zahlen adoptirt. Er rechnet demnach von Abrahams 
Geburt bis Moses' Tod 545 Jahre. Dies bestätigt die Angabe 
cp. 30 S. 65 : „Von Adam bis Moses' Tod waren 3868 Jahre" 
(3323 + 545 = 3868). 

Uebler steht es mit den Richtern und Königen, von denen 
er ein nacktes Yerzeichniss cp. 31 S. 67 ff. giebt. 

Es scheint nicht, dass Solomon die Richterliste aus der 
bisherigen bis Moses' Tod reichenden Quelle entnommen hat ; 
denn er beginnt sein Richterverzeichniss wieder mit Moses. 



Mar Solomon von Perat-Maisän. 461 



Moses 


40 Jahre 


Joshua 


25 


55 


Judah 


48 


5? 


Eglon 


18 


55 


Ahür 


80 


55 


Näbin 


20 


55 


Deborah und Barak 


40 


55 


die Midianiter 


7 


55 


Gideon 


40 


55 


Abimelech 


60 


55 


Tola 


23 


55 


Jair 


22 


55 


Philister und Ammoniter 


18 


55 


Naphthah 


6 


55 


Abizan 


7 


55 


Elon 


10 


55 


Acrün 


8 


55 


Die Philister 


40 


55 


Samson 


20 


55 


Eli 


40 


,/) 


Samuel 


30 


55 


Saul 


40 


55 


1er Herrscher insgesammt : 


655 Jahre 



Die Einzelposten ergeben nur 642 Jahre. Es finden sich 
hier mehrere Eigenthümlichkeiten. Statt der Senioren wird 
hier offenbar mit Bezug auf Jud. 1, 2 Juda erwähnt; die 
48 Jahre sind aber die der nachfolgenden Regenten: 8 der 
Fremdherrschaft und 40 Gothoniels. Ganz singulär sind 
Abimelechs 60 Jahre, eine offenbare Eorruptel; allein der 
Verfasser muss sie eingerechnet haben, weil mit den rich- 
tigen 3 Jahren die angegebene Summe nicht entfernt erreicht 
wird. 

Ebenso fehlerhaft ist die Eonigsliste cp. 31 S. 68: 



^) Nach £li wird bemerkt, dass die Lade 20 Jahre im Hause Abinadabs 
war; indessen diese Jahre sind offenbar in die Regieningszeit Samuels 
einzurechnen. 

30* 



462 



Mar Solomon von Perat-MaisSn. 



David 


40 Jahre 




Solomon 


40 


» 




Behoboam 


17 


55 




Abijah 


3 


55 




Asa 


41 


55 




Jehoshaphat 


25 


55 




Joram 


8 


55 




Ahaziah 


1 


55 




Athaliah 


6 


55 




Joash 


40 


55 




Amaziah 


23 


55 




TJzziah 


52 


55 




Jotham 


16 


55 




Hezekiah 


29 


55 




Manasse 


55 


55 




Arnos 


2 


55 




Josiah 


31 


55 




Jehoahaz 


3 Monate 




Jehoiakim 


11 Jahre 




Jehoiachin 


100' 


Tage 




Zedekiah 


11 Jahre 





Jahre der Könige insgesammt: 455 Jahre 6 Monate 10 Tage. 

Die Einzelposten ergeben 4 Jahre weniger. Verdorben 
ist Amaziah's Zahl 23 (statt 29) und nach Jotham ist Ahaz 
mit 16 Jahren ganz ausgefallen. Augenscheinlich sind aber 
diese Fehler in der Berechnung der Summe einbegriffen, weil 
diese mittelst der richtigen Einzelposten sich noch bedeutend 
höher belaufen würde. 

Yon da an bricht der historische Faden bei Solomon ganz 
ab; er wendet sich zu den Biographien der Propheten nach dem 
sogenannten Epiphanios. Dabei hat er vollständig vergessen 
die Zeit der babylonischen Gefangenschaft zu bestimmen. 

Im zweiten Theil des Werkes, welcher, mit cp.33 beginnend, 
sich der neutestamentlichen Geschichte zuwendet, giebt er in 
cp. LH „ein Yerzeichniss der Könige, welche in der "Welt re- 
giert haben von der Fluth bis jetzt/' Allein dieses Yerzeichniss 
beginnt erst mit Dareios und schreibt ihm 24 Jahre zu ; das 
ist Schreibfehler für 34 Jahre. Daraus ergiebt sich, dass der 



Mar Solomon von Perat-Maisän. 



463 



Verfasser die Gefangenschaft vom Tempelbrand an rechnet. 
Denn sein Königsverzeichniss schliesst mit Sedekias. Er be- 
rechnet also die 70 Jahre der Gefangenschaft bis zum zweiten 
Jahre des Dareios, und darum fehlen Eyros und Eambyses. 
Da denmach die Königsliste Judas mit dieser Perserliste im 
Zusammenhange zu stehen scheint, so kann man wohl weiter 
vermuthen, dass die Verzeichnisse der jüdischen Richter und 
Könige aus derselben Quelle, wie diese späteren Fürsten, 
entlehnt seien. Leider hat Solomon diese Listen noch sorg- 
loser zusammengetragen, als die des ersten Theils; er giebt 
nicht einmal in den einzelnen Abschnitten die Summen an. 

Wir betrachten nun die Perser- und die Ptolemäerliste ; 
folgende Perserkönige zählt er auf: 



Darius Sohn des Vashtasp 

Ahshiresh 

Artahshisht Langhand 

Daryäwash der Sohn des Kebsweibs 

Artahshisht der Herrscher 

Arses Sohn von Ochus 

Daryäwash Sohn des Arsham 



24 Jahre 

20 

41 

20 

30 

4 

6 



Es fehlt Artaxerxes Ochos; unrichtig sind die Zahlen von 

lareios I und Artaxerxes II. Die Summe ergiebt 145 Jahre. 

^Uein es fehlt jedes Mittel zur Kontrolle, ob diese Zahlen 

Verfasser beabsichtigt seien oder auf Schreiberversehen 

ihen. 

Etwas besser, wenn auch durchaus nicht fehlerfrei, ist 
dl^K^tolemäerliste : 



Alexander 




12 Jahre 


Ptolemäus 


Lagos 


40 „ 


55 


Philadelphus 


38 „ 


55 


Euergetes 


26 „ 


55 


Philopator 


17 „ 


55 


Epiphanes 


24 „ 


55 


Philometor 


35 „ 


55 


Soter 


17 ,5 


i » 


Alexander 


18 „ 


i » 


Dionysius 


30 „ 



464 Mar Solomon von Perat-Maisän. 

Alexander erhält statt 6 12 Jahre, also die Dauer seiner 
makedonischen Herrschaft, obschon vorher für den letzten 
Perserkönig 6 Jahre verrechnet sind. Die 18 Jahre des Ptole- 
mäus Alexander sind nach Eusebs Kanon aus seinen 10 und 
den 8 seines [N^achfolgers combinirt. Ausgelassen sind Pt. Euer- 
getes II und Eleopatra. Eine Summirung fehlt. Die Einzel- 
posten ergeben 257 Jahre. 

Die Eaiserliste beginnt mit: 

Gaius Julius 4 Jahre 
Augustus 57 „ 

In dessen 43. Jahr wird die Geburt Christi angesetzt. 
Den Rest der Liste übergehe ich, da er völlig verschrieben ist. 

fTach Aufzählung der Sasanidenkönige giebt der Ver- 
fasser S. 123 einige Summen: 

Von Adam bis zur Kreuzigung 5280 Jahre 

vom Auszug bis zur Zerstörung Jerusalems 1601 „ 
von Abraham bis zu dieser Zeit 2031 „• 

Die Zahlen, welche denen des Eusebios ziemlich nahe 
kommen, haben mit den bisherigen Aufstellungen Solomons 
gar nichts zu thun. 

Interessant ist die Schlusssummirung S. 123 „der Jahre, 
welche von der Welt verschwunden sind". 

1) Von Adam bis zur Pluth 2262 Jahre 

2) Von der Pluth bis Abraham 1015 „ 

3) Von Abraham bis zum Exodus 430 

4) Vom Exodus bis zum Tempelbau 400 

5) Von Solomon bis zur ersten Gefangen- 

schaft 495 

6) Von der ersten Gefangenschaft bis zu 

Daniels Prophezeiung 180 

7) Von Daniels Prophezeiung bis zur Ge- 

burt Christi 483 



5? 
55 

55 

55 



Summa 5345 Jahre. 

Die Einzelposten ergeben 5265 Jahre ; der Fehler steckt in 
der vierten Epoche. Wenn wir diese auf 480 erhöhen, ist 
alles in Ordnung. 



Mar Solomon von Perat-Maisän. 465 

Es ist nun aber klar, dass diese Summen mit der bis- 
herigen Rechnung Solomons nichts zu thun haben. Obschon, 
wie wir gesehen, seine Einzelzahlen der vorfluthigen Yäter 
gleichfalls auf die Summe 2262 zu fähren scheinen, hat er 
nachher stets nur 2242 Jahre verrechnet; auch die zweite Epoche 
stimmt nicht und ebenso sind die folgenden von den Auf- 
stellungen Solomons stark abweichend und zum Theil schwer 
verständlich. Die Periode von Solomons Tempelbau bis zur 
ersten Gefangenschaft ist mit 495 Jahren viel zu hoch be- 
messen. Ferner welche ist diese „erste Gefangenschaft, welche 
Nebuchadnezzar gefangen fortführte'' ? Offenbar die im 3. Jahre 
Jojakims (Daniel 1, 1), welche die christlichen Chronographen 
theils in das dritte Jahr Jojakims ansetzen, so Hieronymus 
ad a. Abr. 1405 und Barhebräus chron. syr. p. 27, oder in das 
vierte, so Synkellos S. 412, 18 oder in sein zehntes, so Euse- 
bios (Arm. ad a. Abr. 1412, chron. pasch, p. 238, 11). Aber was 
soll das heissen mit der Prophezeiung Daniels? Daniel ist 
ungeschickte Brachylogie für den Moment, von dem das Orakel 
Daniels der 70 Jahrwochen zu berechnen ist. Afrikanus be- 
rechnet dieselben von der Wiederherstellung der Mauern 
Jerusalems im 32. Jahre des Artaxerxes Longimanus vgl. H. 
ad a. Abr. 1584 A. 1586. Hieronymus hat in der That zwischen 
beiden Ereignissen gerade einen Zeitraum von 180 Jahren. 

Zum Schlüsse S. 124 setzt er noch Alexander in das 
Weltjahr 5180; dieser Ansatz kann aus Afrikanus entlehnt sein. 

Was uns Solomon bietet, ist überaus ärmlich; man darf 
nicht vergessen, dass der Aufbau des chronologischen Gerüstes 
für ihn völlig Nebensache ist, und dass er in seiner Biene 
ganz andere Zwecke verfolgte. 



Die Armenier. 

Die chronologischen Arbeiten der Armenier fassen voll- 
ständig auf Eusebios; die XJebersetzung seiner Chronik ins 
Armenische ist die Grundlage aller Arbeit auf diesem Gebiete 
bei den Armeniern. Die originalen Leistungen der Armenier 
auf diesem Gebiete sind eben nicht sehr bemerkenswerth. Die 
altern Chronographen stehen zu ihm in absolutem Abhängig- 
keitsverhältniss, so Stephanos Asolik und Samuel von Ani. 
Eine Epoche bildet dann die XJebersetzung der syrischen 
Chronik des Patriarchen Michael ins Armenische. Sie scheint 
den Zeitgeschmack ausserordentlich gut getroffen zu haben, 
und wird darum von den Spätem stark ausgeschrieben. Reprä- 
sentanten dieser Richtung sind Wardan der Grosse und Mhithar 
von Ayriwankh. 

Stephanos Asotik Taröne^L 

Stephanos zubenannt Asolik (Asolnik) der Sänger aus Taron, 
daher Taroneci, schrieb eine Weltgeschichte, oder wie er sie 
betitelt : eine Geschichtserzählung in historischen Bücher ^). 
Das Werk zerfällt in drei Bücher. Das erste Buch führt die 
Geschichte bis auf Konstantin und Tiridates, das zweite bis 
auf Asots des Bagratuniers Erneuerung des armenischen 
Königthums. Der werthvoUste Theil des Werkes ist das dritte 
Buch, welches die armenische Eönigsgeschichte bis auf seine 
Zeit herunterführt; im letzten Theil schildert er als Zeitge- 
nosse; für die zweite Hälfte des X. Jahrhunderts ist Stephanos 
eine für die byzantinische, wie die armenische und iberische 
Geschichte gleichmässig wichtige Quelle. Das letzte Ereigniss, 
das er erwähnt, ist das Aussterben des albanischen Fürsten- 

^) Erste Ausgabe von Chahnazarian, Paris ohne Datum erschienen 
zwischen 1852 und 54 (Dulaurier S. 198). Zweite Ausgabe von St. Mal- 
chasean, Petersburg 1885. Bussische Uebersetzung von Emin, Moskau 
1864. Französische Uebersetzung der beiden ersten Bücher mit reich- 
haltigem Commentar von Dulaurier, Paris 1883. Deutsche Uebersetzung 
von A. Burckhardt, Leipzig 1898 unter der Presse. Nach dieser ist citirt, 
wenn nichts Andres bemerkt ist. 



Stephanos Asolik Tarönerf. 467 

hauses von Phafisos im Jahre d. Aera 452 — 1003. Das Jahr 
darauf bringt er seine Geschichte zum Abschluss ^). Er setzt 
das Jahr der Aera 453 (= 1004) gleich mit dem Jahre 6282 
seit Adam, 972 seit der Kreuzigung, 757 seit Kaiser Philipp 
(= Millennium des Jahres 247). Es ist Basileios des römischen 
Kaisers 30. und Gagiks des armenischen Königs 15. Jahr und 
das 13. des Katholikos Ter Sargis (991 — 1019). Diesem ist 
Stephanos aufs innigste ergeben. In der Einleitung ^) sagt er, 
dass er auf dringenden Befehl des Ter Sargis des Werk unter- 
nommen habe. Und im lobenden Schlusswort am Ende der 
Annalen^) sagt er: „Dies ist das XIII. Jahr des Patriarchats 
von Ter Sargis, des welterleuchtenden und hochbegnadeten 
Oberhirten. Von ihm habe ich den Auftrag erhalten, der meine 
Kraft übersteigt; aber das Gesetz des Gehorsams erfüllend, 
habe ich mit unwissenden Worten die Worte der Annalen auf- 
geschrieben." Stephanos ist sich der Unvollkommenheit seines 
Werkes als schriftstellerischer Leistung wohl bewusst und führt 
das in dem nachfolgenden Abschnitt in den üblichen Aus- 
drücken mönchischer Demut näher aus. 

Für uns kommt lediglich das erste Buch in Betracht. Im 
ersten einleitenden Kapitel spricht er sich nach Art der syri- 
schen und armenischen Historiker ausführlich über die von ihm 
benutzten Quellen aus. Yon all den angeführten Quellen 
kommt für das erste Buch nur Eusebios' Chronik in Betracht. 
Indessen, so eng auch Stephanos sich an Eusebios anschliesst, 
folgt er diesem nicht genau, sondern giebt mehrfach abwei- 
chende Summen an. Es ist eine gewiss richtige Vermuthung 
von Dulaurier (S. 56 seiner XJebersetzung), dass er hierin dem 
Anania von Sirak folgt. 

Ganz im Anschluss an Eusebios beginnt er seine Zeit- 
rechnung erst mit Abrahams erstem Jahre (S. 5, 8). Um die 
Epoche von Abrahams erstem Jahr bis zum Auszug aus Aegypten 
im Einzelnen zu bestimmen, bedient er sich nicht der Rech- 
nung von Eusebs Kanon, sondern hält sich an die von diesem 
ziemlich geringschätzig beurteilte ältere Rechnungsweise (vgl. 
Eus. chron. ed. Schöne I 97): 

*) Stephanos Asolik ed. Malchasean pg. 285. 
*) S. 5, 1 Burckhardt. 
*) P8' ^^ Malchasean. 



468 Stephanos Asotik Taröne^i. 



Abraham 


100 Jahre 


Isahak 


60 „ 


Jakob 


86 „ 


Levi 


46 „ 


Kahath 


63 „ 


Amram 


70 „ 


Moses 


80 „ 



Summa 505 Jahre 

Nun rechnet Stephanos aber von Adam bis Mose 3809 Jahre 
(S. 5, 32 und 35). Dies bestätigt seine rückläufige Berechnung 
vom 19. Jahr des Tiberios S. 12, 22: „Die Zeit, die verflossen 
ist seit dem 2. Jahre Dareh's, in welchem der Wiederaufbau 
des Tempels stattfand, bis zum 19. Jahre des Tiberios und 
der Kreuzigung des Erlösers, beträgt 501 Jahre. Aber seit 
Solomon und dem ersten Tempelbau 1012 Jahre; und seit 
Moses und dem Auszug aus Aegypten 1501 Jahre; und seit 
dem ersten Jahre Abrahams 2006 Jahre, und seit der Fluth 
3068 und seit Adam 5310 Jahre. Aber nach Eusebios sind seit 
Adam bis zum 19. Jahre des Tiberios . . . 5232 Jahre verflossen.^^ 

Das ergiebt folgende Posten: 

1) Bis zur Fluth 

2) Bis auf Abraham 

3) Bis zum Auszug 

4) Bis zum Bau des ersten Tempels 

5) Bis zum 2. Jahre Dareh's 

6) Bis zum 19. Jahre des Tiberios 

Summa 5310 Jahre 
Wie man sieht, stimmen Summe und Einzelposten völlig 
überein; Stephanos muss also so gerechnet haben. Bis auf 
Moses erhalten wir hier thatsächlich 3809 Jahre. Die Jahre 
bis zur Fluth sind die üblichen; über die von Abraham bis 
zum Auszug ist oben gehandelt; auch sie stimmen in der Sum- 
mirung mit Eusebios überein. Abweichend ist demnach nur 
die Periode von der Fluth bis auf Abraham zu 1062 Jahren 
berechnet, während Eusebios 942 Jahre hat. Ohne Frage ist 
diese Summe durch Einschiebung des nachfluthigen Ea'inan er- 
reicht worden ; diesem werden aber 1 30 Jahre zugetheilt, während 
hier die Differenz 120 beträgt; Stephanos hat die vorabrahami- 
tische Zeit in seiner Darstellung übergangen; es ist kein Zweifel, 
dass er dem Moses von Choren hier folgt, der I 5 120 Jahre 



2242 Jabre 


1062 




505 




489 




511 




501 





Stephanos Asotik Tarönegi. 469 

rechnet. Annianos rechnet bis zu Moses' Tod 3851 Jahre 
(Barhebräus chron. Syr. S. 15), also Auszug 3811. Von diesem 
differirt demnach Stephanos nur um zwei Jahre. 

Die Zeit zwischen dem Auszug und dem Tempelbau be- 
rechnet er auf 490 Jahre und beruft sich auf Origenes und 
Anania von Sirak. Der einzige Unterschied von Eusebios ist, 
dass er die 10 Jahre des Richters Elön zwischen Esebön und 
Labdön einschiebt (vgl. S. 7, 35). Sonst sind es nach der von 
Malchasean benutzten Handschrift genau die Zahlen Eusebs. 

Moses 40 Jahre 

Yesu 27 „ 

Fremdherrschaft und Gödoniel 40 „ 

Fremdherrschaft, Avöd und Samegar 80 „ 

Fremdherrschaft u. Deböra u. Barak 40 „ 

Gedeon 

Abimelekh 

Thola 

Yayir 

Fremdherrschaft und Yephthaye 

Esebön 

Elön 

Labdön 

Fremdherrschaft und Samphson 

Heli 

Samuel und Saul 

David 

Solomon 

Summa 490 Jahre [489 verrechnet] 
Stephanos hat bei Solomon 40 Jahre; allein, da nachher 
in der Königsliste 36 verrechnet werden, sollen hier natürlich 
nur 4 gezählt werden. Es ist wohl Schreibfehler. Wenn er 
489 statt 490 Jahre rechnet, folgt er auch hierin Eusebios, der 
Moses erstes Jahr 506 Abr. und Solomons viertes Jahr 984 an- 
setzt, also 479 Jahre statt 480 verrechnet. 

Die Aporie über die Dauer von Sauls Königthum löst 
Stephanos im engsten Anschluss an Eusebios. S.6, 36—7,29 ent- 
sprechen genau den Ausführungen in Eusebs chron. 1 1 1 1, 5— 37. 
Ganz originell ist dann seine Lösung der Differenz der 
480 und 440 Jahre. Hierin hält er sich an seinen Gewährs- 
mann Anania von Sirak. Wenn ich ihn recht verstehe, nimmt 
er eine doppelte Erklärung des Termins „Auszug^' an. Die 



40 


15 


3 


5? 


22 


55 


22 


55 


6 


55 


7 


55 


10 


55 


8 


55 


20 


55 


40 


5) 


40 


55 


40 


55 


4 


55 



470 Stephanos Asohk Tarönegi. 

480 Jahre entsprechen dem Auszug Mose aus Aegypten. "Aus- 
zug" bezeichnet aber auch den Zeitpunkt, „wo das Volk den 
Jordan überschritten hatte und sich im Lande der Yerheissung 
niederliess". Das geschieht im Beginn von Yesu's Führung, also 
40 Jahre später. Mithin beträgt die Zeit zwischen diesem „Auszug" 
und dem Tempelbau nur 440 Jahre. Er fahrt dann fort: „Wenn 
wir nun die 40 Jahre in der Wüste und die 4 Jahre Solomons 
bis zum Tempelbau abziehen, so erhalten wir 436 Jahre und seit 
dem ersten Jahre Abrahams 997 Jahre und seit Adam 4299 Jahre." 

Das sind wieder ganz eigne Rechnungen, die mit Stephanos' 
System nicht genau stimmen. Die 436 Jahre werden durch ein- 
fache Subtraktion der beiden Posten von 480 gewonnen; nach 
seinem System wären es 445, nach dem des Eusebios 435 J. 

Wiederum anders sind die beiden folgenden Summen berech- 
net. Die 997 Jahre seit Abraham sind aus 995 verschrieben (Emin 
bei Malchasean p. 301), = 505 -|- 490 Jahre und die 4299 Jahre 
Adams sind 2242 + 1062 -|- 505 -f 490. Stephanos hat offenbar 
vollständig vergessen, dass er nur 489 Jahre gebucht hat. 

Wir kommen zur Eönigszeit; die Einzelposten bei Stephanos 
sind: 



Solomon noch weitere 


36 Jahre 


• 

Boboam 


17 


55 


Abia 


3 


55 


Asa 


41 


55 


Yösaphat 


25 


55 


Yöram 


8 


55 


Okhozia 


1 


55 


Godolia 


7 


55 


Yöas 


40 


55 


Amasia 


49 


55 


Ozia (Azaria) 


52 


55 


Yöatham 


16 


55 


Akhaz 


16 


55 


Ezekia 


29 


55 


Manase 


55 


55 


Amüs 


12 


55 


Yösia 


31 


55 


Yöakhaz 


3 


55 


Eliakim (Yöakim) 


12 


55 


Yöakim (Yekhonia) 


3 Monate 


Matthani (Sedekia) 


1 1 Jahre 



Summa 441 Jahre 



Stephanos Asohk TaröneQi. 471 

Die Einzelposten ergeben vielmehr 464 Jahre. Indessen 
die Besserung ist leicht. Amasia hat durch einen Schreib- 
fehler 49 statt 29 Jahre ; ferner müssen natürlich Töakhaz 
3 Jahre in 3 Monate verändert werden. Dagegen hat es mit 
den 12 statt 11 Jahren des Eliakim (Yöakim) seine Richtig- 
keit. Seine Regierung ist um 1 Jahr erhöht zur Verrechnung 
der beiden Dreimonatsregierungen. Hierin folgt Stephanos 
einfach dem armenischen Kanon des Eusebios, welcher dem 
Eliakim 12 Jahre zutheilt. Hieronymus kommt um 1 Jahr 
höher, weil er dem Josias 32 Jahre, dem Joachaz 1 Jahr und 
dem Eliakim 11 Jahre zurechnet. 

Wir kommen zur Berechnung der Gefangenschaft. Hier 
hält er sich völlig an Eusebios. Der ganze Abschnitt über 
die doppelte Berechnung der 70 Jahre S. 9 ist ein Auszug 
aus den Ausführungen des Eusebios chron. I S. 122 ff. Stepha- 
nos fügt nur noch die Bemerkung hinzu S. 9, 24 ff., dass von 
dem 2. Jahre Yöakims und der ersten Gefangenschaft bis auf 
Eyros 50 Jahre, ein Jubiläum, verflossen seien. Dem Kanon 
folgt er, indem er für die 30 ersten Jahre dieses Zeitraumes 
nicht etwa, wie die meisten übrigen Chronographen, die Jahre 
der babylonischen Könige angiebt, sondern einfach Jahre der 
Gefangenschaft bis auf Kyros berechnet. Von da an rechnet 
er nach persischen Königsjahren genau dem Euseb folgend. 

Die 441 Jahre der Könige und 70 Jahre der Gefangen- 
schaft ergeben die 511 Jahre, welche Stephanos in seiner 
Summe angegeben hat. 

Die persischen Könige rechnet er auch nach Eusebios: 

Kyros 30 Jahre 

Kambius 8 „ 

Die Magier 7 Monate 

Dareh 36 Jahre 

Khserkhses 21 „ 

Artavan 7 Monate 

Artases Erkaynadzefn 40 Jahre 
Khserkhses II 2 Monate 

Sogdianos 2 „ 

Dareh Horth 1 9 Jahre 

Artases Usel 40 



472 Stephanos Asolik TardnecL 

Artases Ogos 26 Jahre 

Artases Sohn des Okhos 4 „ 

Dareh Sohn d. Arsames 6 „ 

Die Dauer der Perserherrschaft seta^ er auf 230 Jahre 
fest, die übliche auch Ton Euseb festgehaltene Summe ad a. 
Abr. 1686. Die Summe ergebt sich aus den Einzelposten, 
wenn die Monatsregierungen nicht mitgezahlt werden. Die 
Differenzen gegenüber der Rechnung des Kanon beziehen sich 
nur auf Kleinigkeiten. Der Armenier theilt den Magiern ein 
Jahr zu, während Stephanos dasselbe übergeht.^) EQeronymus 
giebt dem Xerxes nur 20 Jahre, während Stephanos in Ueber- 
einstimmung mit dem Armenier 21 hat; indessen H. nimmt 
dafür 1 Jahr des Artabanus in seine Tabelle auf. Endlich 
hat der Armenier for Arses fehlerhaft nur 3 Jahre, während 
hier H. und Stephanos das richtige bieten. 

Hat sich bis dahin Stephanos mit Hilfe des Eusebios 
leidlich zurecht gefanden, so ist er bei der Berechnung der 
nachfolgenden Epoche, der Zeit Ton Alexander bis auf Christus 
vollständig in die Irre gegangen. Er rechnet Tom 2. Jahre 
Dareh's bis zu Tiberios' 19. Jahre 501 Jahre, yiel zu kurz; 
Eusebios setzt for dieselbe Epoche 552 (bis zum 15. Jahre 
des Tiberios 548) Jahre an. Es ist gar keine Frage, dass 
Stephanos sich in der Ptolemäerliste arg verrechnet hat; leider 
ist dieselbe unvollständig, sodass eine Herstellung nicht mög- 
lich ist. Er hat: 

Alexander 

Ptolemäos (Ptlomeos) Lagios 

„ Philadelphos 

„ Euergetes 

„ Philopator 

nach Philemetür 

„ Euergetes II 

„ Phiusgon 

„ Aiekhsandri 



6 Jahre 


23 


?1 


38 


11 


26 


1? 


12 


» 


29 


99 


17 


19 


10 


44 



99 



der vertrie- 
ben ward 8 „ 



*) Hieronymus übergeht zwar die Magier in der Jahresrechnung; 
allein er hat fehlerhaft Darius' zweites Jahr zweimal gerechnet und 
kommt so mit dem Armenier wieder in Konkordanz. 



Stepbanos Asoiik Taröne^i. 473 

Ptolemäos Dionisios 30 Jahre 

Kleopatra 2 „ 



Gaios Julios 4 „ 

SebastoB Oktavios 56 „ 
Tiberios 19 „ 

Von den 501 Jahren, welche als von Stephanos verrech- 
nete Summe feststehen, sind 190 Jahre der Perser, 6 Alexanders 
und 79 der römischen Kaiser abzuziehen. Die Ptolemäer er- 
geben aber nur 195 statt 226 Jahre. Die 23 Jahre des ersten 
Ptolemäos erklären sich aus ungeschickter Benutzung des 
armenischen Eusebios; er hatte gelesen, dass Ptolemäos 17 J. 
Satrap und 23 Jahre König gewesen war (Euseb. chron. I 
161 Schöne). Philopator's 12 Jahre sind Verschreibung (viel- 
leicht schon des Verfassers) für 17 Jahre. Ausgefallen sind 
Ptolemäos Epiphanes und Philometor. Letzterer stand sicher 
im Text; denn Stephanos erwähnt ihn, wo er die Jahre seines 
Nachfolgers aufzählt. Das vorhergehende Stück handelt vom 
Makkabäeraufstande, der thatsächlich zur Zeit des Ptolemäos 
Philometor stattfand. 

So könnte man ergänzen: 

Ptolemäos Philometor • 31 Jahre. 

So viele Jahre rechnet z. B. der griechische Eusebios, 
Euseb. chron. I 170,39. Allein das ist ganz unsicher und 
auch so bleibt die Liste eine durchaus fehlerhafte. 

Das dritte Kapitel giebt die Hohenpriesterliste der Juden 
von Yesu, dem Sohne Tösedekh's an ohne Zahlen; darauf die 
Makkabäer mit Zahlen und ebenso die Herodeer. Genau 
diese Liste findet sich in den Excerpta Barbara (Euseb. ed. 
Schöne I App. 223). Auch hier haben wir die lückenhafte 
Reihenfolge: Eleazarus — Onias — Simon — Onias — Judas. 
Auch der Text deckt sich wörtlich bis zum Aufkommen 
Cäsars. Es ist nicht unmöglich, dass Stephanos' Quelle, wohl 
Anania von Sirak, jene alexandrinische Chronik benutzt hat. 
Johannes Hyrkanos heisst mit der alten afrikanischen Korrupte!, 
von der auch Eusebios Spuren weist (chron. I 129, 130. H. 
ad a. Abr. 1913, A. ad a. Abr. 1913) bei Stephanos Hyrkanos 
TQnathanes, beim Barbarus: Johannis filius Jonathae qui 



474 Stephanos Asohk Taxöne^i. 

dicebatur Yrcanus. Die Zahlen der Makkabäer und der 
Herodeer sind sämmtlich dem Eusebios entlehnt. Für Salina 
und Hyrkanos sind die Zahlen ausgelassen. 

Endlich die Kaiserliste des Stephanos (S. 15 ff.) ist aus 
Eusebs Kanon ausgezogen, und zwar hat er die zum Behuf 
der Zeittafel auf Volljahre abgerundeten Jahre Eusebs ge- 
geben, ohne die beim Beginn jeder Regierung genau ver- 
merkten Summen von Monaten und Tagen zu berücksichtigen. 
Die Abweichungen sind unbedeutend; Klödios (Claudius) hat 
13 statt 14 Jahre; Antoninos I (Caracalla) 4 Jahre; das heisst, 
der Schreiber irrte von Antoninos I gleich auf Antoninos 11 
— so nennt der armenische Eusebios den Heliogabalos — 
ab, der 4 Jahre regierte. Sodann hat Alexander Severus 14 
statt 13 Jahre. Aurelian hat 6 Jahre, so rechnet auch der 
armenische Euseb; die Regierungen des Tacitus und Florian 
sind also hier eingerechnet (anders Hieronymus). 

Im IV. Kapitel giebt Stephanos die Könige der Assyrer, 
Meder und Perser wieder nach Eusebios. Die assyrische 
Liste ist Eusebs erstem Buche entnommen. Was die Namen, 
wie die Zahlen betrifft, ist es eine vielfach fehlerhafte Liste. 
Die frühern Herausgeber haben bei Öamiram, Ninuas u. s. f. 
häufig die eusebischen Zahlen eingesetzt, was willkürlich ist. 
Nach Belikhos (Belochus) sind vier Namen ausgefallen ; indessen 
Malchaseans Handschrift hat statt Belikhos Malakheos (= Man- 
chaleus); offenbar ist das Auge von der einen 30 zur andern 
abgeirrt. Beide Fürsten regieren so lange, und das führte 
den Ausfall der zwischenliegenden Regenten herbei. Dass 
aber Stephanos einfach die Liste des I. Buches und nicht 
etwa die des Kanons kopirt hat, erweisen eine Reihe Namens- 
formen, vgl. 



Stephanos 


I. Bnch 


Kanon 


Teutamos 


Teutamos 


Tautames 


Epalmes 


EupaJmes 


Eupales 


Akfazanes 


Akrazanes 


Akrapazes 



Dieselbe Quelle hat er auch für die Meder- und Perser- 
liste benutzt. Das zeigen die Worte über Warbakes 8. 18, 
31 — 35, welche denen des Euseb. I 67, 13 — 16 entsprechen. 
Ebenso sind die Worte über die Gründung des Perserreichs 



Samuel von Ani. 475 

19, 7—9 u. 10—11 aus Eusebios I 67, 27—28 u. 69, 8—9 
itnommen. Femer ist der Schluss über Alexander S. 19, 
i— 24 = Euseb. I 69, 28—30. 

Die Zahlen der Mederkönige sind die des Eusebios; nur 
it Phraortes durch einen Schreibfehler 44 statt 24 Jahre. 
ie Namensform des zweiten Königs Madaukes steht der 
iechischen Form Mavdamrjg näher, als des arm. Euseb 
audakes. Dagegen sonst sieht es übel aus. Den dritten 
Snig Tarmos (= Sösarmos) bietet nur die Handschrift Malcha- 
ans, den vierten lässt sie dafür weg. Dieser führt statt 
rtikas den räthselhaften Kamen Hakadimos. Deiokes ist in 
Brkes entstellt. 

Die zweite Perserliste entspricht durchaus der ersten; 
ir sind sämmtliche Monatskönige einfach bei Seite gelassen. 

Von jetzt an geht Stephanos zur parthisch-armenischen 
Bschichte über und folgt armenischen Quellen. Dieser Theil 
llt ausserhalb des Kreises unsrer Betrachtung. 



Samuel TOn Ani. 

Samuel, der Priester aus Ani, schrieb ein Werk, betitelt 
Sammlungen, zusammengestellt aus den Werkender Geschicht- 
hreiber zur Erforschung der vergangenen Zeiten bis zur 
3genwart." Das Werk zerfallt in zwei Theile, welche eine 
sichahmung des Eusebios darstellen. Der erste Theil ent- 
ilt, vergleichbar dem ersten Theile der Chronik, in der Haupt- 
ehe die Königslisten; der zweite Theil von Christi Geburt 
L giebt Geschichtstabellen mit vorwiegender Berücksichtigung 
ir armenischen Geschichte. Er hat sein Geschichtswerk bis 
m Jahre 1177 geführt (nach seinen Jahren der Fleisch- 
3rdung 1179 = 626 der arm. Aera), wie eine Notiz des von da 
i arbeitenden Kontinuators ausdrücklich angiebt. lieber sich 
Ibst giebt er eine Notiz z. J. d. Aera 578 = 1129. Er er- 
Ihnt den Tod des Wardapet Sargis und fügt bei ^) : „Seine Ge- 
issen waren Ter Hacatur, Grigor, Töhannes und Samuel, alle 

*) S. 128 der Ausgabe von Ter Mikhelian. 
Geizer, Jnl. AMc. II. 31 






476 Samnel Ton AbL 

diese aus Ani/^ Yoransgesetzt, dass dieser Samuel mit dem 
Historiker identisch ist, fallt seine Blüthezeit in die erste Hälfte 
des Xn. Jahrhunderts, und er hat bis in sein hohes Alter die 
Chronik fortgesetzt. Er hat das Werk unternommen auf die 
Ermunterung „des durch Heiligkeit ausgezeichneten Qrigor^' ^), 
entweder Qrigor des Pahlayuniers, Eatholikos 1113 — 1166 
oder GMgors Tela 1173 — 1193. Die Wahrscheinlichkeit spricht 
für den ersteren, da er sich nicht erst in hohem Alter zu 
seinem Werke wird entschlossen haben. Herausgegeben ist 
die Chronik in lateinischer üebersetzung hinter dem armeni- 
schen Eusebios von Zohrab und Mai 1818') nach fünf Hand- 
schriften. Nur den zweiten Theil, also die Oeschichtstabellen 
gab in stark verbesserter üebersetzung und mit reichem 
Kommentar Brosset 1876 heraus^). Den armenischen Text hat 
auf neuer handschriftlicher Grundlage Ter-Mikhelian 1893 in 
Widarsapat (Edimiacin) herausgegeben, aber den zweiten Theil 
nicht in Tabellenform. Wir haben hier eine viel reichhaltigere, 
eine Menge neuen Stoffes bietende Becension des Werkes^), 
was namentlich im H. Theile sich geltend macht 

Für uns in Betracht kommt lediglich der erste Theil des 
Werkes, üeber seine Quellen spricht sich Samuel in der Vor- 
rede selbst aus. Er hat eigentlich nur zwei Quellen: Eusebios 
und für die armenische Qeschichte Moses yon Choren, die er 
sehr getreu ausschreibt. So beschränke ich mich hier auf An- 
gabe des wenigen, was Samuel von Eusebios abweichendes 
bietet. 

Die Patriarchenreihe vor und nach der Fluih ist ganz aus 
Eusebios geschöpft und zwar reproducirt Samuel nicht Eusebs 

1) Vgl. S ^ und S. 51 der arm. Ausg. S. 2 und 90 Zohrab. 

*) Samnelis praesbyteri Anienais temporom nsqne ad soam aetatem 
ratio e libris historicomm snmmatim collecta edd. J. Zohrabns et A 
Mains Mailand 1818. 

*) M. Brosset: collection dldstoriens Armeniens. Petersburg 1876, 
T. n pg. 339ff. 

*) Diese Erweiterungen berohen iheilweise anf Benntmng der Chronik 
des Michael Syros; so die Erbannng von Damaskos durch Möribas, S. 8. 
Unter Godoniä erwähnt er den Moralisten Phelötonos, S. 194 ebenda unter 
Barak die Erbauung von Tarsos durch Brisos (Perseus). Dies ist entschei- 
dend; diese Zusätze entstammen einer nachträglichen Bearbeitung, und 
der echte Text ist der kurze. 



Samuel von Ani. 477 

drei Reihen, sondern nur den Text der LXX, dem er 
allein Autorität zuschreibt. Das einzige Neue ist, dass er den 
sämmtlichen Erzvätern die Namen der Frauen nach dem Jubi- 
läenbuche beifügt; w^ahrscheinlich hat er diese Namen einer 
irgendwie auf Annianos zurückgehenden Chronik entlehnt. 
Zum Schlüsse des III. Kapitels S. 6 ^) giebt er eine parallele 
Uebersicht der biblischen Patriarchen und der chaldäischen 
Könige vor der Fluth. Samuel geht hier durchaus nicht die 
Wege des Panodoros und Annianos, sondern hält beide Reihen 
für identisch; nur sind den Erzvätern in der babylonischen 
Tradition verdorbene Namen und unmögliche Jahre angedichtet. 
Er folgt also den Andeutungen des Moses von Choren I 4. 
Gerade dieses Stück scheint grossen Beifall gefunden zu haben. 
Mhithar von Ani, ein Historiker des XIV. Jahrhunderts, dessen 
Chronik aber ein sehr unvollkommenes Machwerk ist — nur 
für die vorfluthige Zeit berücksichtigt er ausserarmenisches — 
giebt die Reihe der Patriarchen mit ihren Frauen nach Samuel 
und setzt über jeden als XJeberschrift den chaldäischen König ^). 

Das bekannte Panodorosbedenken bezüglich Kaynans theilt 
auch Samuel (III S. 5). Er giebt ihm nach Moses von Choren 
I 5 120 Jahre, worin ihm Wardan und Mhithar von Ayriwankh 
folgen. Bezüglich Kaynans beruft er sich auf Origenes, Gregor 
den Theologen und Epiphanios (Epiphan) von Kypros, vor 
allem aber auf Lukas. Die Summe, fährt er fort, bis auf 
Abraham muss deshalb von 3184 auf 3304 erhöht werden; 
indessen berücksichtigt er das in der Folgezeit nicht. 

Die Zeit von Abraham bis Ausgang der Richterzeit be- 
handelt er streng nach Eusebios ; nachdem er sie aber in üb- 
licher Weise durch die Genealogie Levi's und die Richter 
bestimmt hat, bringt er eine neue Zeitberechnung nach den 
Geschlechtern von Juda bis David*). 

Jakob 88 Jahre 

Yuda 48 „ 

Phares 59 



*) Ich citire, wenn nicht ausdrücklich das Gegentheil angemerkt ist, 
nach der Ausgabe von Zohrab und Mai als der zugänglichsten. 

*) Geschichte des Mhithar von Ani, herausgegeben von Patkanian 
hinter seiner Sebeosausgabe. Petersburg 1879 Anhang S. 5fF. 

») S. 10. Ter-Mikhelian S. 20. 

31* 









478 Samuel von Ani. 

Ezron 58 Jahre 

Aram 47 „ 

Aminadab 45 „ 

Das Jahr der Geburt [N^aasöns fallt zusammen mit dem 
des Auszugs, Er rechnet 505 Jahre von Abraham und 3689 
seit Adam. Daraus ergiebt sich auch, dass die Lesart für 
Phares 59, welche die arm. Ausgabe und al. cod. bei Zohrab 
bieten, richtig ist. 

Samuel fährt fort: 



Naasön 


44 Jahre 


Satmon 


35 „ 


Boos 


108 „ 


Obeth 


101 „ 


Tesse 


130 „ 


David 


58 „ 


Solomon 


22 „ 



Bis zum 4. Jahre des Tempelbaus rechnet er 480 Jahre. 
Thatsächlich sind es 498. Offenbar liegt ein Rechenfehler vor. 
Wie in der vorangehenden Epoche die Geburt Naasons den 
Abschnitt des Auszugs bildet, so macht hier die Geburt Solo- 
mons, Davids 58. Jahr, Epoche. Das ergiebt 476 Jahre und 
4 Jahre bis zum Tempelbau = 480 Jahr. Der Verfasser hat 
das Geburtsjahr Solomons mit dem Jahre des Regierungsan- 
tritts zusammengeworfen. Von jetzt an giebt er die Könige 
Judas, um dann nach deren Ausgang das Geschlechtsregister 
Christi bis auf dessen Geburt hinabzuführen. 

Auch in dieser Liste liegt ein Versehen vor. Der Text 
lautet so (arm. Ausg. S. 22) : „Nach der Genealogie des Mat- 
thäus zeugt Yekhonia den Salathiel 56 Jahre alt. Zörababel 56, 
Abiud 45, Eliakim 60, Azor 39, Sadük 31; in Sadöks erstem 
Jahre (herrscht) Alexander der Macedonier. Akhin 34, Eliud 30, 
Eliazar 62^ Matthan 38, Takob 60, Yoseph 76. Jesus Christus 
wird geboren in Bethlehem in Judäa." 

Die Summe der Jahre ist 587 ; beide Recensionen stimmen 
in den Jahren überein; es muss ein Fehler von einem Jahre 
vorliegen; denn natürlich entsprechen diese Zahlen den euse- 
bianischen Summen: 70 Jahre der Gefangenschaft und 518 vom 



• • • • ^*« » 



Samuel von Ani. 479 

Bau des zweiten Tempels bis auf Christus. Allein, wie Zohrab 
ganz richtig übersetzt, das Jahr 76 Yösephs ist gar nicht 
Christi, sondern seines Vaters Geburtsjahr. 

Bereits Mhithar von Ayriwankh hat Anstoss an dieser 
Rechnung genommen. Er setzt die Geburt Satathiels in Ye- 
khonia s 37., Zörababels in Satathiels 56.^ Abiuds in Zörababels 
56. Jahr u. s. f. So gehören die Jahre je zum folgenden Namen, 
und Christus lässt er in Yösephs 41. Jahre geboren werden. 
Da Mhithar notorisch den Samuel benutzt, hat er hier augen- 
scheinlich seinen Fehler rektificirt. Man wird nicht fehl gehen, 
wenn man diese Genealogie Christi mit Zahlen als eigenes 
Elaborat des Samuel ansieht. 

Hiermit ist aber die Originalität des Samuel bis auf wenige, 
noch zu erörternde Spuren erschöpft ; er folgt jetzt sehr ge- 
treu dem Eusebios, und zwar beobachtet er dabei ein eklek- 
tisches Verfahren. Da er nur Fürstenlisten giebt, ist natür- 
lich seine bequemste Quelle das erste Buch der Chronik ; allein 
daneben hat er mehrfach auch den Kanon und die Series Begum 
benutzt. Die Entscheidung ist oft unsicher, da sowohl Samuel 
als das erste Buch der Chronik mehrfache Schreibfehler auf- 
weisen. Ich führe nur die einigermassen sichern Fälle an. 
Dass er z. B. die jüdische Bichterliste dem I. Buche Eusebs ent- 
nommen hat, zeigen die 23 Jahre Thola's (vgl. v. Gutschmid 
zu Euseb. chron. Schöne. I 109 A. 1). Seine Völkertheilung ist 
naiv. Als Sems Nachkommenschaft gelten die Hebräer, als 
Japhets die Armenier, alle andren Fürstenreihen werden unter 
Cham eingereiht. Ich bemerke übrigens, dass diese Einthei- 
lung nur die kürzere Becension kennt. 

Die Assyrerliste hat in beiden Becensionen nach der Art 
der Spätem vor Ninos noch Belos (Bei) mit 62 Jahren. Die 
Eönigsreihe von Mamitos I. bis Askatades und von Lambrithes 
bis Mithreos ist in Unordnung gerathen. Es sind die Paare 
Mamitos- Sparethos vor Mankhaleos-Speros und Pannias Süs- 
armos vor Sösares-Lamberes gesetzt. Die Namensformen zeigen 
übrigens, dasd die Liste dem Kanon entlehnt ist. Vgl. Tautanes- 
Othinevs-Akrapales. 

Interessant ist auch seine Liste der Chaldäerkönige: arm. 
Ausg. S. 29 (Zohrab S. 16): 



480 Samuel von Ani. 

Phua (arm. Ausg. falsch Phus) 16 Jahre 

Thaktaiihphalasar 27 „ 

Satmanasar 16 „ 

Senekherim 18 „ 



von ihm zählen die chaldäischen Historiker bis auf Nabukho- 
donosor 88 Jahre. 



Asordan 


8 Jahre 


Asamöges 


21 




sein Bruder 


21 




Nabupatsar 


10 


„ (Zohrab 11) 


Marudakh Batdan 


10 




Nabukhodonosor 


43 





Die Liste der Ghaldäerkönige kommt auch sonst vor^). 
Das Bedürfniss der Bibelchronologen konnte schlechterdings 
mit dem ktesianischen Datum der Zerstörung Ninives nicht 
auskommen. Eine solche Liste haben die griechischen Ex- 
cerpte aus Eusebios (Gramer Anecd. Paris 11 1 56, 15) und ebenso 
die armenische Series regum. (Euseb. chron. I App. 7), des- 
gleichen das xQOvoyQaq)€iov avvrofiov (a. a. 0. 84). Letzteres hat 
auch Zahlen, aber ganz andre, als Samuel. Dieser hat ent- 
schieden die Series benutzt, welche übereinstimmend mit dem 
Griechen Phuls Beginn in 1225 setzt. Das ist Arbakes Todes- 
jahr. Phul beginnt also gleichzeitig mit Sosarmos, dessen 
16. Jahr in der That bei Hieronymus Ol. I 1 entspricht. Das 
Originelle bei Samuel ist, dass er mit den aus der Bibel ge- 
läufigen Eönigsnamen die ihm aus dem Berossosfragment im 
ersten Theil von Eusebs Chronik bekannte Pürstenreihe kon- 
taminirt. Freilich sind seine Zahlen so beschaffen, dass er 
nicht entfernt Nebukadnezars Anfang im Kanon des Eusebios 
erreicht. Sehr verunglückt ist die Reihe der Nachfolger Nebu- 
kadnezars bis auf Kyros: Arm. Ausg. S. 30 (Zohrab S. 16). 

„Es herrschte an seiner Statt sein Sohn Baltasar und (so) 
Dmarudak zwei Jahre. Nach ihm Astiages 1 Jahr. Dieser 
sah an der Wand die geschriebenen Buchstaben erscheinen, 
welche Daniel deutete. 



^) Vgl. die Liste des Patriarchen Michael S. 454. 



Samuel yon Ani. 4g | 

Dareh der Meder 4 Jahre 
Dareh Arsavir 3 



9J 



Und dann wurde das Reich der Babylonier aufgehoben. 

Die beiden Darius entstammen der Series Regum und 
nach dieser ist die Reihenfolge herzustellen: 

Smarudak 2 Jahre 

Baltasar 1 „ 

Dareh der Meder der auch Astiages 4 „ u. s. f. 

Indessen ist es aber sehr wohl möglich, dass schon Samuel 
selbst die Eonfusion gemacht hat. Die nachfolgenden Meder- 
könige sind gleichfalls der Series Regum entlehnt; denn das 
I. Buch der Chronik hat die echte Liste, und der Kanon zählt 
nur die 4 letzten Mederkönige auf. 

Bei den übrigen Listen zeigen die chronologischen Gleich- 
zeitigkeiten Benutzung des Kanons; das hindert aber nicht, 
dass er die Fürstenlisten, weil ihm das bequemer war, dem 
ersten Buche entnahm. Das beweisen z. B. bei der makedo- 
nischen Königsreihe die Monatszahlen des Lysimachos und des 
Ptolemäos i^eraunos, die nur im ersten Buche sich finden. 
Ebenso hat er aus diesem für Aegialeus von Sikyon als An- 
fangsjahr Bels 15. Jahr entnommen. Dagegen z. B. die Ptolemäer- 
liste hat er wieder nicht dem ersten Buche, sondern dem 
Kanon entlehnt, wie Fhilopators 17 Jahre erweisen. In gleicher 
Weise entstammt die Römejrliste ^^^en^. Kanon. Bei Zohrab 
S. 24 ist dieselbe unvollständig; altem der armenische Text 
bielel; en^egen dem ersten Buche von Eusebs Chronik, aber 
übereinstimmend mit dem Kanon folgendes S. 40: 

Tarkinos Priskos 37 Jahre 
Serbios Tulos 34 „ 

Tarkinos Superbos 35 ., 

Mit dem YII. Kapitel (S. 24 Zohrab) geht er zu seinen 
Auszügen aus Moses von Choren zur armenischen Geschichte 
über. Diese, so wie die Geschichtstabellen des 11. Theils, 
übergehen wir hier. 

Wie man sieht, ist Samuel von Ani in dem ersten Theil 
seiner Geschichte ein getreuer Nachtreter des Eusebios. Was 



4S2 Waurdaa der Grotse. 

er Ton Zusätzen aas anderweitiger QneUe bietet, ist unbe- 
deutend : die nachtraglichen Erweiterungen nnd Interpolationen 
des Ensebios (Assjrerkönige — Babylonier nach Xabakhodo- 
nosor — Mederkönige) sind ihm bekannt. Wo er eignes 
bietet, so in der Genealogie Christi, erkennen wir überall 
engsten, wenn auch angeschickten Anschloss an Eusebios. 



WardaB der Grosse. 

Der Wardapet Wardan spielt eine nicht unbedeutende 
Bolle in der armenischen Litteratur des XTTT. Jahrhunderts. 
Wie sein Zeitgenosse, der Geschichtschreiber Kirakos von 
Gandzak, gehört er dem Schülerkreise des durch seine theolo- 
gisch-exegetische, aber auch historische Thätigkeit hochange- 
sehenen Abtes Yöhannes Wanakan an. der dem tou ihm er- 
bauten Erlöster Horanasat vorstand und offenbar ein lebendiges 
geschichtliches Interesse in seinem Schülerkreise zu erwecken 
verstand. Wardan wurde geboren in Bardzberd in Kilikien. 
Sein Todesjahr ist 1271. Wardan entwickelte eine sehr um- 
fangreiche litterarische Thätigkeit, Torzugsweise theologischer 
Art. Aber auch eine Fabelsammlung trägt seinen Namen, und 
als geistlicher Hymnendichter ist er gefeiert. 

Das Werk, das uns hier beschäftigt, ist seine Weltchronik 
„die Sammlung der Geschichte'^ wie er sie betitelt, eine Art 
Universalgeschichte^), mit der Schöpfung beginnend und mit 
dem Tode des armenischen Patriarchen Ter Eostandin (Kon- 
stantin) im Jahre der Aera 716 (1267) endigend'). Wardan 
hat durchaus die Absicht, nicht nur eine trockene Chronik, 



') Universalgeschichte in der üblichen Art dieser Schriftwerke, welche 
möglichst nniversell beginnen und sehr partikul&r schliessen. Mit Recht 
sagt dämm Brosset, memoires (s. n. 2) S. 6: ce livre n'est ni one histoire 
i. e. nn r^cit continu, ni nniverseUe, dans le sens qne le mot doit avoir, 
pnisqne Vardan bome ses recits k TAsie occidentale. 

*) Herausgegeben in Moskau 1861 und in Venedig S. Laszaro 1862 
(diese Ausgabe ist hier benutzt). Eine russische Uebersetzung hat Emin 
1861 in Moskau herausgegeben. Und dazu die kritische Analyse von 
Emins Ausgabe und Uebersetzung durch M. Brosset: memoires de Taca- 
demie imp. des sciences de St. Petersburg VII S. T. IV N. 9. 1862. 



Wardan der Grosse. 483 

sondern auch eine litterarische Leistung zu liefern. Das zeigt 
schon das in dunkler, gewundener Sprache abgefasste Eingangs- 
gebet S. 1. Indem er die Bedeutung und den "Werth von 
Moses' Schöpfungsgeschichte erörtert, versteht er es zugleich, 
dem Leser einen Begriff von seiner philosophischen Bildung 
zu geben. Im ersten Kapitel folgt eine recht schwierig ge- 
haltene Schöpfungsgeschichte, welche ihm Gelegenheit bietet, 
seine für damals sehr bedeutenden physikalischen wie theolo- 
gischen Kenntnisse zu enthüllen. S. 5 mit dem II. Kapitel 
geht er zur Schilderung des Paradieses über. Dieses liegt 
auf der Erde gegen Osten, auf dem Gipfel eines hohen Berges, 
welcher der Mondkugel gleicht. Es hat unverwesliche Früchte 
und unverwelkliche Blumen. Nicht durch die Sonne wird 
hier Tag und Nacht bewirkt, sondern hier leuchtet das Ur- 
licht, der Glanz der göttlichen Glorie. Bings ist sein Anblick 
den vergänglichen Augen durch Blitze und Feuer entzogen, 
lieber Adam und Eva giebt er das bei Michael vorliegende 
Excerpt aus Pseudomethodios. Aber er ist viel ausführlicher: 
Cp. II S. 5: „Deshalb beweinten Adam und Eva 30 Jahre 
ihre Unbedachtsamkeit in Jungfräulichkeit ; dann erkannten sie 
einander, in thierische Unwürdigkeit verfallend, und sie zeugten 
den Kayen, kranker Eltern ungesunden Sohn, wie die Aerzte 
sagen, nebst einer Schwester Namens Klimas. Und nach 30 
Jahren zeugten sie den Abel und die Abeluhi, seine Schwester. 
Und nach andren 30 Jahren tötete Kayen den Abel." Sehr 
ausführlich berichtet er dann über Abels Tod. „Und als Adam 
und Eva dies erfuhren, beweinten sie ihn 140 Jahre." Dann 
beschäftigt sich der Bericht mit den Nachkommen Kayens. 
Bei Lamekh wird bemerkt, dass die von ihm Erschlagenen 
„wie man sagt" Brüder des gerechten Enokh waren. Dieselbe 
Bemerkung kehrt bei Kedrenos I 15, lOff. und sonst wieder. 
A. Wirth: aus orientalischen Chroniken S. tl2, nimmt an, dass 
Wardan ein vollständigeres Exemplar des Michael benutzte. 
Da zu Wardans Zeit die armenische Bearbeitung längst existirte 
und er sich in den spätem Partien genau genug an dieselbe 
anschliesst, ist das nicht eben wahrscheinlich. Offenbar hat 
er für die vorfluthige Geschichte neben Michael eine apokryphi- 
sche Nachrichten in reicherem Maasse verwerthende Quelle 
herangezogen. So bringt er bei Seth ausführlich die Legende 



484 Wardan der Grosse. 

Yon den zwei Tafeln, die bei Michael ebenfalls fehlt. Darauf 
schliesst er sich eng an diesen an in der Erzählung der Egre- 
gorengescbichte, indem er nach Michael (Annianos) von ihnen 
das Yorfluthige ' Chaldäerreich der 10 Könige seit Aloros in 
1180 Jahren ableitet. 

Die Zahlen der Yorfluthigen Patriarchen sind folgende. 



Adam 


230 Jahre 


Seth 


205 „ 


Enös 


190 „ 


Kayuan 


170 „ 


MiJatiel 


165 „ 


Yared 


162 „ 



Im Jahre 1000 nach dem Ausgang aus dem Paradies 
machen die Söhne Eayens den Samiros und die Söhne Seths 
den Aloros zu ihren Königen. 

Enökh 165 Jahre 

Mathusala 1 65 „ 
Lamekh 1 88 „ 

Im 1666. Jahre Adams wird Noy geboren. Mathusala*s 
Jahre sind verdorben, einfache Dittographie aus der voran- 
gehenden Zahl Enökh's. Wie er wirklich geschrieben, ob 167 
oder 187, ist gleichgiltig; denn die Summe 1666 hat er ein- 
fach aus Michael herübergenommen. 

Den Abschnitt über die Uebelthaten der Menschen, wofür 
der armenische Michael nur ein kurzes Citat aus Annianos 
hat, giebt er sehr viel ausführlicher und citirt den hl. Ephrem. 

Auch im folgenden V. Kapitel S. 8 emancipirt sich War- 
dan von Michael. Er erörtert zuerst, warum man erst von der 
Austreibung aus dem Paradies eine chronologische Rechnung 
beginnen könne. So lange als Adam im Paradies weilte, war 
sein Loos mit dem der Unsterblichen verknüpft, welche nicht 
unter der Ordnung der Jahre stehen. Erst mit der üeber- 
tretung tritt er in die Zeit ein, und von da an berechnet der 
hl. Geist die Jahre durch Mose. 

Bis zurFluth rechnet er 2242 J. und erwähnt, dass die Juden 
nur 1656 haben. Diese Zahl verwirft er mit Eusebs bekanntem 



Wardan der Grosse. 4g5 

Grunde von der zaxvyafiia der Hebräer; seine ganze Ausfüh- 
rung hat er aus diesem Gewährsmann in verkürzter Gestalt 
entlehnt. 

Darauf wendet er sich wieder zu Michael bezüglich Noy's 
und des Schicksals seiner Söhne. Ueber Maniton berichtet er 
S. 9: Er zeugte, sagen sie, einen andern Sohn Namens Maniton 
und eine Tochter Namens Astlik, welchen (d. h. den 3 Söhnen 
und diesen) er die ganze Erde vertheilte . . . Ein Stück des 
Westens trennte er ab und gab es dem Maniton, welcher 
(etwas) von den Gebeinen Adams, welche Noy im Kasten 
hatte, von ihm erbeten haben soll. Er gab ihm die Knie- 
scheiben, und dieser zog aus. Er erfand auch die Divination 
durch Vögel. Er ist der Vater der Bewohner (des Landes) 
der Biuritonagi . . . Das weihrauchtragende Land, welches das 
glückliche Arabien genannt wird, gab er seiner Tochter Astlik. 
Daher stammt die Königin von Saba; denn von da an ver- 
erbten dasselbe die Frauen.^' 

In der Geschichte der Patriarchen nach der Fluth lehnt 
sich Wardan wieder ganz an Michael an, wie namentlich seine 
Bemerkungen über Kaynan und die mit ihm anhebende Idolo- 
latrie zeigen. Ganz eigenthümlich ist nun der Bericht über 
den Thurmbau. Wie bei Michael suchen die Menschen das 
Paradies zu entdecken, finden sich aber von ihm durch ein 
weites Meer getrennt, das nach ihrer Meinung bei der Sint- 
fluth entstanden ist. Zur Verhütung einer neuen Katastrophe 
beschliessen sie den Bau des Thurmes. Derselbe wird nun 
sehr ausführlich beschrieben ; der Thurm ist mit goldenen und 
silbernen Säulen geschmückt, hat breite Aufgänge und licht- 
spendende Fenster. Unermüdlich arbeiten sie an ihm Sommer 
und Winter, mit Ameisen wird das Gewimmel der auf- und 
niedersteigenden Bauleute verglichen. Edler Wetteifer herrscht 
unter ihnen, jeder lobt die Thätigkeit des andern, keiner sagte: 
„Ich habe mehr gearbeitet als Du; sondern Du hast mehr ge- 
arbeitet als ich. Denn noch hatten sie Naturen, die den Lastern 
und Leiden nicht unterworfen waren." Sie bauen weiter bis 
zum 42. Jahr des Bagau ; nun sind sie aber so hoch, dass Er- 
brechen und Ersticken sich einstellt. Nicht einmal die Vögel 
können so hoch steigen, sonst verbrennen sie ihre Federn. 
Das Gold, das sie bis auf die Höhe schafften, schmolz von 



486 Wardan der Grosse. 

der Hitze; aber alles das vermochte die Menschen von ihrem 
Vorhaben nicht zurückzubringen. Da erbarmt sich Gott ihres 
fruchtlosen Strebens. Ein Engel, der Herrscher über den Osten, 
erscheint dem Nebröth. Er überbringt ihm die Botschaft Gottes, 
abzustehen von ihrem unausführbaren Vorhaben. Er will selbst 
zu seiner Zeit zu ihnen kommen und ihnen auch Leitern geben, 
auf denen sie zu ihm kommen können. Nebröth weigert sich 
und nun spricht der Engel zu seinen wesensgleichen Genossen 
das Wort Gen. XI 7. Die Spitze der Thurmpyramide lag gegen- 
über dem Garten. Keine Strafe trifift sie ; sondern von dem 
unaussprechlichen Duft des Paradieses werden sie wie berauscht 
und vergessen ihre Sprache. Ihr Werk wird nicht zerstört, 
sondern nur zerstreut. Gott zeigt sich sehr gütig. Denn diese 
milde Strafe ist mit einem Fortschritt verbunden. Weisheit und 
Wohlredenheit treten jetzt an Stelle der rohen Ursprache und 
der Unbildung: das sehr zarte Hellenisch, das stürmische Rö- 
misch, das drohende Hunnisch, das flehende Syrisch, das üppige 
Persisch, das schöngestaltete Alanisch, das lächerliche Gothisch, 
das tieftönende (?) Aegyptisch, das zwitschernde Indisch und das 
süsse, allgeschmückte und wohlgestaltete Armenisch. Die Ver- 
schiedenheit der Sprachen verschafft jedem Volk seinen beson- 
dern Schmuck. Die ursprüngliche Sprache blieb nur bei Eber. 
Ob man bei der Auferstehung hebräisch spreche, ist eine unnütze 
Frage. Die geläuterte Natur kennt dann nicht mehr die Be- 
dürfnisse der Erde. Dann nimmt sie, wie der hl. Elise sagt, 
die Sprache der Engel an. Diese Verschiedenheit der Sprachen 
ist auch eine gottgeordnete. Jedes Volk hat seinen himm- 
lischen Aufseher und Engel, welcher die gänzliche Entfrem- 
dung der Heiden von Gott verhindert. 

Diese ganze, zum Theil nicht leicht verständliche Aus- 
führung, die ich hier nur in den Hauptzügen wiedergegeben 
habe, ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswerth. 

Einmal der stark apologetische Ton. Während sonst die 
Erbauer des Thurmes als von Gott mit Recht bestrafte Frevler 
gelten, sind es hier gleichsam irregeleitete Kinder, die er mit 
den sanftesten Mitteln auf den richtigen Weg leitet. Der 
Verfasser scheint den Plan der Thurmbauer, Gott aufzusuchen 
und das Paradies schauen zu wollen, indirekt zu billigen; nur 
die Mittel, die die Menschen anwandten, waren eben die un- 



Wardan der Grosse. 487 

richtigen, und darum müssen sie für die Zukunft der Führung 
der Engel unterstellt werden. 

Woher stammt nun dieser höchst eigenthümliche und in 
mehrfacher Beziehung von den Anschauungen der korrekt 
kirchlichen Kreise abweichende Bericht? Es ist ein Apokry- 
phen, das ausser den Armeniern auch den Georgiern bekannt 
war. Auszüge, die vielfach auf das genauste mit Wardans 
Bericht übereinstimmen, finden sich in der georgischen Chronik. 
M. Brosset: histoire de la G^orgie I Partie Petersburg I S. 111 
und 163^). Die betreffenden Abschnitte werden dort als „dem 
Buche von Nebroth'' entlehnt citirt. Es geniesst das aller- 
höchste Ansehen, und die Könige citiren das Buch mehrfach. 
Im XIII. Jahrhundert hat Georgien bei seiner politischen 
Machtstellung auch litterarisch auf Armenien eingewirkt. 
Mhithar von Ayriwankh und Stephanos Orbelian benutzen geor- 
gische Quellen. Die Geschichte Iberiens wurde armenisch be- 
arbeitet. So leidet es wohl keinen Zweifel, dass auch Wardan 
seine Kenntniss des Nebröthbuches einer iberischen Quelle 
verdankte. Allerdings zeigt er einige Abweichungen vom 
georgischen Bericht. Indessen auch ein Vergleich der geor- 
gischen Chronik mit ihrer armenischen Uebersetzung zeigt, 
dass der Bedaktor sich keineswegs buchstäblich an den Text 
gehalten und mehr eine Bearbeitung, als eine wirkliche Ueber- 
setzung geliefert hat. Aehnlich scheint auch Wardan mit dem 
Texte des Nebröthbuches verfahren zu sein. Der Auszug des- 
selben in der georgischen Chronik nennt als Hinderniss des 
Baus in den obern Begionen nur die gewaltige Hitze. Da- 
gegen nach Wardan stellen sich bei den Arbeitern, als sie in 
die Begionen der unsichtbaren Luft gelangten, Erbrechen und 
Athmungsbeschwerden ein. Offenbar spricht hier ein mit den 
Uebeln der Bergkrankheit vertrauter Verfasser, und es ist nicht 
unmöglich, dass wir hier nur eine etwas freie armenische 
Bearbeitung oder Ausmalung des georgischen Originals vor 
uns haben. Bedeutsamer ist eine andre Veränderung. Nach- 
dem die Sprachenverwirrung eingetreten ist, berichtet der 
georgische Text (Brosset a. a. 0. S. 164): „Alors tous ayant 

^) Vgl. die armenische Bearbeitung unter dem Titel: kurze Geschichte 
der Iberer. Venedig 1884 S. 56 und 79. 



488 Wardan der Grosse. 

quitte la ville, il laissa aller dans l'Inde ceux qui parlaient 
indien, les Sindiens dans le Sinde, k Rome les Romains, les 
Grecs en Gr^ce, les Gog et Magog dans le Magougeth, les 
Perses en Perse. La langue primitive 6tait Tassyrienne. Tels 
sont les sept idiomes usites jusqu'au temps de Nebroth/' 
Abweichend die verkürzte armenische Bearbeitung S. 81: 
„Und sie vergassen die Gedanken und Sprachen, welche sie 
früher kannten, 7 Sprachen. Und sie nahmen fremde Sprachen 
an nach ihrer Zahl. Und indem sie die Stadt und den Thurm 
verliessen, den sie gebaut hatten, zogen sie nach ihrem Lande, 
Thorgora nach dem (Lande) der Thorgomier, Sidon nach Si- 
deth, die Berdzeankh ^) nach Berdzankh, die Griechen (Yoynkh) 
nach Griechenland (Yuneth), Ag und Mag nach Agmagngeth, 
die Persier nach Persien und Andre anderswohin." 

Ganz anders Wardan; er benutzt die Sprachentheilung 
zu einer völlig neuen Ausführung. Das alte Dogma von der 
Ursprünglichkeit der syrischen Sprache hatte der Georgier 
gebührend anerkannt. Auch der armenische Bearbeiter wagt 
diesen Ruhm von „Ebers Sprache" nicht anzutasten. Aber 
das ganze Selbstgefühl der Söhne Japhets zeigt sich nun in 
dem Stück, das er an Stelle der ursprünglichen Aufzählung 
der sieben Sprachen stellt : die Charakteristik der verschiedenen 
Sprachen. Sie bezeichnen nach der Meinung des Verfassers 
gegenüber der rohen Ursprache entschieden einen bedeutenden 
Fortschritt. Die Stelle über die Sprachen ist bereits von 
C. F. Neumann und dann gelehrt und ausführlich von Lagarde 
(Agathangelus Abh. d. Gott. G. d. W. 1888 S. 150ff.) behandelt 
worden. Das Stück stammt aus einem Werke des Erzbischofs 
Stephanos von Siunikh, eines der hervorragendsten Gelehrten 
des VIIL Jahrhunderts, der durch seine Uebersetzungsthätig- 
keit, seine exegetischen und grammatischen Arbeiten sich 
einen Namen erworben hat. Wardan hat dieses Stück in ge- 
schickter Weise dem Berichte aus dem Buche von Nebroth 
eingeflochten. 

Im VL Kap. S. 13 ff. berichtet er von Bels Herrschaft 
und seinem Sturze durch Hayk nach Moses von Choren ; dann 



^) nom qui rapelle celui de Berdzdni donnd aux Grecs par les auteurs 
g^orgiens. Brosset a. a. 0. S. 165 N. 5. 



Wardan der Grosse. 489 

folgen die Eroberungszüge der Söhne Khams nach Palästina 
und der Söhne Yektans nach Arabien, alles nach Michael. 

Seine Liste der nachfluthigen Patriarchen bis Abraham ist : 



Sem 


102 Jahre 


(2 J. nach der 


Arpahakhsad 


135 




W asserfluth) 


Kaynan 


120 






Sala 


130 






Eber 


134 






Phalek 


133 






• • 

Bagau (Bakhau) 


132 






Serakh 


130 






NakhSr 


. 79 






Thara 


70 







Die Erwähnung der Amazonen in dieser Zeit ist dem 
Michael entlehnt. 

Im VII. Cap. S. 14fif. kommt er auf Yabeths Nachkommen; 
es ist dies lediglich ein Auszug aus Moses von Choren. Mit 
dem VIII. Cap. S. 15fiF. wendet er sich wieder Michael zu. 
Er berichtet über Nebröths gestickte Krone, ohne den Menadros 
zu citiren. Der Auszug ist nachlässig gemacht. Er setzt 
seinen Beginn in das 56. Jahr Serukh's (Michael d. Syrer J. 
S. 18) statt den seines Nachfolgers Eambiuros und schreibt 
ihm die Erbauung von Susa (^ös) zu. Für Kambiuros hat er 
Thiros ; es ist der GovQog ijTOL ^'Aqrig der griechischen Chrono- 
graphen, der Nachfolger des Ninos. Die erste Ausbeutung der 
Gold- und Silberminen schreibt auch er ihm zu. Bei Samiros 
stimmen Beide wieder überein; nur nennt er den Magier 
Samatros vielmehr Menadros, welchen Michael für Nebrüths 
Erone als Zeugen aufführt. Dann kommen wieder nach 
Michael Jobs Versuchungen im 25. Jahre Nakhörs, die Könige 
Arphiazat und Khsaros und endlich die Gründung des Assyrer- 
reichs durch Wilos (Belos). 

Die Vorgeschichte Abrahams, die Geschichte der drei 
Patriarchen und Israels in Aegypten bis auf Moses ist alles 
nur Auszug aus Michael. Das IX. Cap. S. 18 ff. setzt diese 
Epitomirung Michaels fort. Von ihm hat er auch das Aus- 
zugsjahr 3842 und andrerseits die 3730 Jahre der 5 Bücher 



490 Wardan der Grosse. 

Moses nach Eusebios. Mit dem X. Cap. S. 20 ff. behandelt er 
die Richterzeit wieder nach Michael, wie folgende Uebersicht 
zeigt : 

Yesu 27 Jahre 

Im 6. Jahre Danavos. 
Im 18. Jahre Phiuniks (Phönix) und Eadmos. 

Gothoniel 40 Jahre. 

Aphrikanos setzt 30 Jahre zwischen Yesu und Gothoniel, 
und die Griechen (geben) dem Gothoniel 50 Jahre, weil sie 
8 Jahre dem Ehus dienten, welche sie ihm zurechnen. 

Avod 80 Jahre. 

Die 18 Jahre Egioms werden ihm angerechnet. Unter 
Avod Jahr 4000 der Welt. 

Die Fremden 20 Jahre 

Samegar 

Barak und Debora 40 „ 

Damals Yen Feldherr der Athener, Gesicht der 100 Philo- 
sophen. 

Gedeon 40 Jahre. 

Die 7 Jahre der Madianiter werden ihm angerechnet. 

Dedalos 

Abimelekh 3 Jahre 

Thöla 22 „ 

Herakles verwüstet Ilion, tötet den Anteos. 

Yayir 22 Jahre. 

Herrschaft der Fremden 8 Jahre, Einige sagen 18 Jahre 
und verbinden sie mit den Andern. 

Yephthayi 6 Jahre. 

Alexandres raubt die Helena. 10 jähriger Krieg um Ilion, 

Herakles' Tod. 

Esebon 7 Jahre 

Elon 10 ,, fehlt bei den LXX 

Labdon 8 .. 



Wardan der Grosse. 4Öi 

Gründung des römischen Eönigthums durch Anias. 

Philisterherrschaft 40 Jahre 
Samphson 20 „ 

Geschichte der Ruth im 5. Jahre. 

Zeus stirbt in Kreta, nachdem er 850 Jahre (Schreibfehler 
für 880) gelebt hatte. 

„Die Hebräer sagen, dass Samphson 40 Jahre das Bichter- 
amt bekleidete. Yohanes reiht nach Samphson einen Richter 
Namens Emagor ein 40 Jahre. Aber Aphrikanos sagt, dass 
40 Jahre kein Richter existirte. Und es war Friede." 

Abweichend von Michael giebt er dem Yayir nach Eusebios 
22 Jahre. Für die Zeit Samuels und Sauls berücksichtigt er 
gleichfalls in der Hauptsache den Michael ; daneben giebt er 
aber zweimal eine Berechnung der Richterepoche im weitem 
Sinne S. 22 und S. 23, wo er nach Erwähnung der Differenz 
von 440 und 480 Jahren des genauem seine Rechnung aus- 
einandersetzt: „Aber untrüglich ist es so: 40 Jahre des Moses, 
27 Jahre des Yesu, macht 67 Jahre und 450 der Richter 
und Knechtschaft unter den Fremden^), macht 517 Jahre. 
Danach Smuel und ^avul^) 40 Jahre und 40 Jahre Daviths 
sind (5)97 Jahre und 4 Jahre des Solomon, und es sind zu- 
sammen 601 Jahre.'' Die Rechnung ist dem Eusebios chron. 
I 101 entnommen. 

Seine sonstigen Nachrichten über die drei ersten Könige 
stammen aus Michael; nur zum Schlüsse von Solomons Re- 
gierung berichtet er über dessen Räthselspiel mit Khiram, 
was er wohl gleichfalls dem armenischen Euseb entnommen hat. 

Das XI. Capitel S. 23 ff. behandelt die Königszeit bis zum 
Untergang des Reiches Samaria. Hier giebt Wardan lediglich 
die israelitische und jüdische Geschichte fast ohne Notizen der 
Frofangeschichte. Alles ist sklavisch aus Michael excerpirt, 
selbst mit seinen Fehlern: König Joatham heisst Yönathan, 
wie bei Michael (Yönadan Michael J. S. 53, Jonathan Y. S. 65), 

*) Vgl. S. 22: „Aber Du wirst wissen, dass der hl. Apostel 450 Jahre 
bestimmt bis auf Samuel." 

*) Bemerkenswerth ist, dass Wardan hier Smuel und Savul; schreibt, 
sonst Samuel und Savul. 

(Jelzer, Jul. Afric. H. ^ 



492 Wardan der Qrosse. 

Bokchoris heisst Eukr, wie bei Michael.^) Die einzige Ab- 
weichung von Michael ist von Interesse. Den Sohn des Hohe- 
priesters Jojada (Yovida) nennt schon der Text der Venetianer- 
Ausgabe Azarias^), ebenso Wardan. Derselbe macht S. 24 
über ihn den Zusatz: „und er wurde Hohepriester nach seinem 
Yater." Die falsche Namensform, die er in seinem Exemplar 
des Michael las, führte zu einer weitem Verwechselung mit 
dem IL Chron. 26, 17 genannten Manne. Offenbar ist das ein 
Zusatz, den Wardan aus dem Stegreif gemacht hat. 

Sehr eilfertig ist das XII. Kap. S. 25 ff. gearbeitet, das mit 
der Begierung Ezekias beginnt. In dessen 3. Jahr setzt er Sat- 
manasars Zug und die Einnahme von Samaria; S. 26 setzt er sie 
in dessen 6. Jahr. Das ist gegen Michaels, wie Eusebios Chrono- 
logie. Wardan folgt hier den Angaben der Schrift lY Regn. 
18, 9, 10. Die 250 Jahre des israelitischen Eönigthums reichen 
bis zum Adamsjahr 4330, dies nach Michael. Er giebt nun ein 
Kamensverzeichniss der israelitischen Könige und ebenso zählt 
er nur die jüdischen Könige bis zur Gefangenschaft mit ihren 
Jahren auf, ohne mit Ausnahme der Erbauung von Rom irgend- 
welche historische Notiz hinzuzufügen. Die Zeit des König- 
thums berechnet er auf 432. Dann setzt er hinzu S. 26 : „Und 
es dauerte die Erhaltung des Tempels 442 Jahre.'' Offenbar 
hat er beide Angaben dem Eusebios entlehnt. Im ersten 
Buche (chron. I 119, 121) zählt dieser 432 Jahre, weil er 
dem Amos 2 Jahre zuweist, im Kanon (ad a. Abr. 1426) 442 
Jahre, weil dort dieser König 12 Jahre regiert. 

Den bekannten beiden Berechnungen der 70 Jahre giebt 
er durch eigne Bibelstudien ein individuelles Gepräge S. 27. 
„Erfüllt ist der Spruch von den 70 Jahren nach den Worten des 
Eremia, indem man die Rechnung beginnt mit dem 18. Jahre des 
Königs Osia, wie Ezekiel sagt im 30. Jahr, im 5. Jahre der Ge- 
fangenschaft Tekhonias, in welchem er zu prophezeien begann." 

Die erste Rechnung ist in der That so gestellt. 
Yüsia 14 Jahre (von dessen 

18. Jahre an 
gerechnet). 

^) Eine recht alte Handschrift (von 1307) macht den alten König 
gar zum Ersbischof. Kukr arkhepiskopos statt Egipta^voQ. 
') Die von Jerusalem hat richtig Zakharia S. 48. 



59 
55 



Wardan der Grosse. 493 

Yöakim 11 Jahre = 25 Jahre 

5 Jahre der Gefangenschaft 5 „ = 30 

Nabugodonosor 34 ,, = 64 

Ilmarodak 3 

Baltasar 1 

Dareh 2 „ = 70 „ 

Die zweite Berechnung hat nach ihm zwei Jahre zuviel: 

Nabugodonosor und seine Söhne 32 Jahre 
Dareh der Meder 2 „ 

Kyros und sein Sohn 38 „ 

Summa 72 Jahre 

„Und Dareh's 2 Jahre hinzugefügt, sind es 74 Jahre. Das 
ist der Ueberschuss der Schlechtigkeit und Trägheit der Juden 
und nicht der Freundlichkeit Gottes." 

Wie die Rechnungen zu Stande gekommen, ist klar. Jere- 
mias beginnt zu prophezeien in Josia's 13. Jahre. (Jeremias 1,1); 
vom 5. Jahre seines Prophetenthums rechnen einige die 70 Jahre : 
(Jerem, 29,3; 10.) (xtvo de xov e evovg riig TtQoqnjteiag avrov, 
TOVT eartv aTto rov ir/ hovg ^Iwaiov ägid-fiovai riveg ra 
eßdofiri'mvTa ¥trj riig aixfAaX(oaiag ^wg tov Ttgcirov evovg 
KvQov. Syncell. 405, 8. Die 30 Jahre Ezechiels und die 5 Jahre 
der Gefangenschaft sind Ezechiel 1, 1; 2 entnommen. 

. Er versteht die 30 Jahre vom Anfang der 70: 14 Yosia's, 
11 Yöakim's und 5 der Gefangenschaft. Bei dieser sonder- 
baren Rechnung fallt Sedekia ganz ausser Betracht. Nach 
Ezechiel werden seine ersten fünf Jahre als Jahre der Ge- 
fangenschaft Yekhonia's bezeichnet und die 6 andern Nabu- 
godonosor zugerechnet. 

Das zeigt auch die zweite Rechnung, die vom Tempel- 
brand ihren Anfang nimmt. Während er in der ersten Rech- 
nung Nabugodonosor 34 Jahre giebt, regieren hier diöser und 
seine Söhne zusammen nur 32, und doch stimmen diese Rech- 
nungen. 5 der Gefangenschaft und 6 Nabugodonosors sind als 
die 11 Jahre Sedekia's abzuziehen; so bleiben für Nabugodo- 
nosor nur 28 -f- 3 4* 1 seiner Söhne = 32. Wardan ist sehr 
ärgerlich; er erhält bis zum Regierungsantritt des Dareios 72 
und mit dessen ersten zwei Jahren gar 74 Jahre. Er hat 



494 Wardan der Grosse. 

Nabngodonosor zn hoch gerechnet, dem die andern, welche 
eine ähnliche fingirte BabylonierliBte haben, wie z. B. Barhe- 
bräns, nur 25 Jahre zutheilen. Dieser Yersuch eigener chrono- 
graphischer Thätigkeit erweckt eben nicht das g^ünstigste Yor- 
urtheil für Wardan. 

Die nachfolgenden Listen der Perser, Aegypter und Makka- 
bäer gehen anf Ensebios znrück, sind aber durchweg fehler- 
haft. Allein, wie die Summen zeigen, dürfen dieselben nicht 
korrigirt werden. 

Seine Perserliste von Dareh's 2. Jahre an lautet so: 

Dareh Wstasp 36 Jahre (zu verrech- 
nen sind 34 J.). 

Eliserkhses der Sohn des Dareh 21 

Artases Erkaynabazuk 41 

Dareh der Sohn der Eebse 19 

Artases 40 
Artases Okhos 4 

Dareh Sohn des Arsam * 6 

Alexander 6 



9J 

n 
n 
n 

?5 



Die Jahre des Artaxerxes Ochos und der Name des Arses 
sind ausgefallen; allein bereits Wardan hat so gerechnet ; denn 
er sagt 8. 28 : „Vom 2. Jahre des Dareh Wstasp bis zum Tode 
Alexanders sind es 171 Jahre.^^ Einzelposten und Summe 
stimmen also genau überein. 

Seine Ptolemäerliste ist folgende: 



Ptolemäos (PÖomeos) 


Sohn des 


Lagos 


40 Jahre 


Pt. Philadelphos 






38 „ 


Pt. Euergetes 






24 „ 


Pt. Philupator 






21 „ 


Pt. Epiphanes 






22 „ 


Pt. Philopatör 






33 „ 



In seinem 17. Jahre erhob sich Yuda der Makkabäer. 

Die Zahlen der Ptolemäer sind Eusebs erstem Buche 
entlehnt (I 169); abweichend ist nur die Zahl des Philo- 
metor. 



Ward an der Grosse. 






Es folgen die Makkabäer: 






Yuda 


3 Jahre 


Yonathanes 


10 


11 


ämayon 


9 


») 


Hyrkanos auch Tohannes genannt 


26 


?) 


Aristabulos 


1 


)) 


Tanneos, auch Alekhsandros ge- 






nannt 


27 


11 


Alekhsandria seine Frau 


9 


1) 


Hyrkanos 


34 


11 


Herödes der Fremde 


37 


11 



495 



„In seinem 32. Jahre wurde Christos der Gott geboren. 
Yon Yuda dem Makkabäer bis zur Geburt Christi sind es 
151 Jahre und von Zörababel bis zu Herödes 32. Jahre, wo 
der Herr geboren ward, 483 Jahre." 

Die fehlerhaften Zahlen Jonathans und Simons werden 
auch hier durch die Gesammtsumme der Makkabäerzeit ge- 
schützt. 

Wenn wir nun die beiden überlieferten Summen 171 und 
151 mit den Einzelposten der Ptolemäer 161 (das 17. Jahr 
Philometors, der hier Philopator heisst, wird mit Yuda's erstem 
Jahre identificirt) addiren, so erhalten wir thatsächlich von 
Zorobabel bis Christus 483 Jahre. 

Wardan fügt S. 28 fr. eine ausführliche abenteuerliche Er- 
klärung der Danielischen Jahrwochen hinzu, die mir trotz alles 
Bemühens unverständlich geblieben ist. Auch der Verfasser 
selbst hat nicht viel Zutrauen zu seiner Erklärung: „Ob Du 
das annehmen willst oder nicht, Freiheit sei Dir gegeben." 
Brosset (histoire chronol. par Mkhithar d^Airivank S. 52) ist 
ebenfalls der Ansicht, dass Wardan selbst sich in seinen Er- 
klärungen vollkommen verwirrt habe. 

Wardan wendet sich jetzt zur armenischen Geschichte, 
die uns hier nicht beschäftigt. Zu erwähnen sind noch S. 33 
die Summen von Adam bis Christus nach den Juden 4000 und 
nach den LXX 5198, nach Enanos 5091 und nach den Syrern 
5026. Diese Zahlen sind (bis auf die erste) Michael entlehnt. 

Für den von uns betrachteten Theil seiner Chronik folgt 
Wardan hauptsächlich dem Patriarchen Michael; daneben hat 

Geizer, Jal Afric. H. 32* 



496 M^ithar von Ayiiwankh. 

er ausgiebig den armenischen Eusebios benutzt. Für die vor- 
fluthige und überhaupt die älteste Geschichte hat er dann 
apokryphische Quellen beigezogen, so das georgische Nebrüth- 
buch, und nachweislich hat er den Stephanos von Siunikh 
eingesehen. Wo er selbständig zu arbeiten versucht, thut er 
es nicht mit sonderlichem Glücke, vrie seine Ausführungen 
über die Gefangenschaft und die Zeit von Zorobabel bis Jesu 
beweisen. Der Hauptwerth seiner Geschichte liegt eben . in 
denjenigen Partien derselben, welche ausaerhalb des Kreises 
unsrer Betrachtung liegen. 



Mhithar von Ayriwankh. 

Hhithar Wardapet des Klosters Ayriwankh in der Provinz 
Siunikh schrieb „eine chronologische Geschichte^', welche in 
3 Theilen von der Weltschöpfung bis zum Jahre 1289 sich 
erstreckt. Dieselbe ist gelehrt und vorzüglich von M. Brosset 
behandelt in seiner französischen Uebersetzung : Histoire ehro- 
nologique. par Mkhithar d'Airivank XIIP S. traduite de 
rArmönien sur le manuscrit du mus6e Asiatique^). 

Der erste Theil enthält eine Kosmogonie in ähnlichem 
Stile, wie bei Wardan, aber mit noch viel mehr Seltsamkeiten 
und mystischen Anspielungen erfüllt, als bei jenem. S. 9 giebt 
er die chronologische Tabelle, welche er seinem Abriss der 
Weltgeschichte zu Grunde legt. Sie beruht ganz auf Samuel 
von Ani. Es sind die vor- und nachfluthigen Erzväter bis 
Abraham — Cainan mit seinen 120 Jahren fehlt nicht, aber da 
Samuel ihn nicht zählt, wird er gleichfalls im System über- 
gangen. — Auf Isaac und Jacob folgt Judas Genealogie bis 
David, dann die Könige bis Sedecias und darauf von Jekonia 
bis Joseph wieder die Genealogie Judas. Nur bei Joseph sind 



*) M^moires de racad^mie imperiale des sciences de St. P^tersbonrg. 
VII S^rie. Tome XIII N. 5. Armenisch ist das Werk 1860 von Emin in 
Moskau herausgegeben worden. Da meine zahlreichen Bemühungen, dieses 
Werk zu erlangen, zu keinem Erfolge führten, benutze ich die Uebersetzung 
von Brosset. 



M^ithar von Ayriwankh. 497 

die 76 Jahre durch 41 ersetzt; dagegen Jekonia hat keine Jahre, 
während der Text der II. Abtheilung ihm 37 Jahre zuweist, 
S. 51. Wie Samuel ein Jahr zu wenig hat, so hat Mhithar 
drei Jahre zu yiel. In der ersten Kolumne sind regelmässig die 
Weltjahre beigeschrieben, indessen gewöhnlich sind die Zahlen 
falsch. (Brosset S. 9 Anm. 2 vgl. Anm. 3). Von den darauf- 
folgenden meist zahlenlosen Königs- und Priesterlisten ist er- 
wähnenswerth die der Richter S. 10 mit den (mehrfach ver- 
schriebenen) Zahlen Samuels von Ani und die der Könige von 
Israel, welche vielleicht aus Yersehen statt der Könige von 
Jnda aufgezählt werden. 

Der für uns wichtigste Theil ist der zweite: die chrono- 
logischen Geschichtstabellen von Adam bis auf Christus. Fast 
alles, was er giebt, ist uns bereits bekannt. Das chronolo- 
gische Gerüste bilden die im ersten Theil übersichtlich zu- 
sammengedrängten Zahlen des Samuel von Ani. Bei jeder 
einzelnen Epoche wird das Weltjahr angegeben. Er hält sich 
so ausschliesslich an die Genealogie von Juda, dass er z. B. 
in der Richterzeit die Richter nur nebenbei anfuhrt. Avhod 
hat 90 Jahre statt 80; er erwähnt dann die 18 Jahre der Fremd- 
herrschaft, ohne zu bemerken, dass nach seiner Rechnung 
diese in die folgenden 40 der Debora müssen eingerechnet 
werden. Zwischen Esebon und Labdon zählt er Jlon mit 
1 Jahren auf, obschon dieser gleichfalls nicht gerechnet wird. 
Die Richterzahlen sind eben durchaus nur dekorativ und neben- 
sächlich; die Rechnung steht auf dem Stammbaum Judas. 
Aus Samuel hat Mhithar auch die sämmtlichen Namen der 
Patriarchenfrauen. Bisweilen hat er auch etwas flüchtig ex- 
cerpirt. So berichtet er über die ägyptischen Könige S. 36: 
„Erste Entfaltung der ägyptischen Macht; Menes von Thun 
und seine 7 Söhne während 258 Jahren. Der letzte war Dareh, 
welchen Alexander tötete.^^ Dass er hier aus Samuel schöpft, 
zeigt die verschriebene Zahl 258, welche dieser für die erste 
Dynastie hat S. 20. Mhithar hat Anfang und Ende von Sa- 
muels Excerpt über die 31 Dynastien Manethons flüchtig an- 
gesehen und wiedergegeben, was Brosset S. 36 nicht verstan- 
den hat. Wenn er auf Darius den Meder S. 52 Darius den 
Sohn des Arsam folgen lässt, so ist das wohl ebenfalls aus 
Samuel; es muss heissen Dareh Arsavir. 



498 M^ithar von Ayriwankh. 

Die magern Listen Samuels genügten dem Mhithar nun 
gar nicht. Er sah sieh nach andern Quellen um, um sein 
Fachwerk auszufüllen. So hat er für die altarmenische Ge- 
schichte zahlreiche Notizen aus Moses von Choren eingefügt. 
Die weitaus am stärksten benutzte Quelle ist aber MichaeFs 
Chronik. Oft berühren sich allerdings seine Angaben mit 
denen Wardans. Allein dass er nicht diesen, sondern Michael 
selbst excerpirt hat, zeigen eine ganze Reihe bei Wardan 
fehlender Stellen. So, um nur einige Beispiele anzuführen, 
hat er in der vorfluthigen Periode, wo Wardan ganz kurz ist, 
aus Michael die Liste der Chaldäerkönige vor der Fluth mit 
den reduzirten Zahlen des Annianos herübergenommen; dass 
er Michael selbst benutzt, ergiebt sich unwiderleglich aus der 
üebernahme einer Reihe von Zahlenfehlem, welche er von 
diesem übernommen hat. Ebenso stammt aus Michael der 
Bericht von der Erfindung der Kurzschrift durch Mathusala. 
Ferner findet man in der nachfluthigen Zeit und in der Richter- 
zeit auf Schritt und Tritt die Spuren Michaels. Für das 
spatium historicum hat er ihn vorzugsweise ausgeschrieben. 
Für Zeus hat er 880 Jahre, wie Michael. Auch der nach 
Samphson 40 Jahre gebietende Richter Emagar ist kein 
andrer, als der von Michael nach Johannes dem Historiker 
erwähnte Samegar. Die babylonischen Könige nach der Fluth, 
die Nachfolger Nebröths, hat er aus Michael excerpirt. Hier 
ist es besonders deutlich, da Wardan andre Namen hat Die 
Gründung von Sos schreiben Michael und Mhithar dem Kambia- 
ros (Camburos) zu, Wardan dem Nebröth; dessen Nachfolger 
heisst bei Wardan statt Kambiuros Thiros. Die Notiz aber 
Kekrops, wonach er und seine Nachfolger 873 Jahre regierten, 
er in Athen Kolonisten aus Memphis ansiedelte und dem 
Binnenlande den Namen Kappadozien verlieh, ist aus Samuel 
und Michael kontaminirt. 

Daneben finden sich einige spärliche Notizen, die nicht 
auf diese beiden Quellen zurückgehen. 

S. 37 wird Neemis als Erfinder der Medizin in Memphis 
genannt. 

Als man Jakob zu seinem Grabe trug^ hob er das Haupt 
und grüsste eine geweihte Säule.